Jüdische Zeitschrift für Wissenschaft und Leben
- Journal
- Jüdische Zeitschrift für Wissenschaft und Leben
- Volume
- 8 (1870)
- Issue
- 4 (1870)
- Date
- 1870-01-01
- Page
- Seite 288 (sequence 48)
- Language
- German
- Belongs to
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288 III. Die jerusalemische Gemara. hatten aber blos nebensächliche Bedeutung. Das Hauptstudium bildete jedoch von nun an die Mischnah, die aber gleichfalls nicht immer in derselben Gestalt blieb. Rabbi selbst hatte schon während seines Lebens und Lehrens manche Aenderungen vorgenommen, so daß Schüler aus verschiedenen Perioden die Mischnah in abweichender Form festhielten; in der unmittelbar an ihn sich anlehnenden, zu seinen Lebzeiten entstandenen und auch später constituirten Schule — Be oder Beth Rabbi — wurden noch umsomehr viele Lehren in anderer Form tradirt,. als sie in der Mischnah gelesen werden. Allmählich erst konnte man über die als gültig anzuerkennende Form schlüssig werden, umsomehr als nun die Schulen zahlreicher, weiter von einander entlegen wurden, ein jedes Lehrhaus die ihm überkommene Fassung festhielt, die Vermittelung unter den Schulen erschwert war, bis sie dann doch endlich bewirkt wurde. Ja, die Schulen waren zahlreicher, der Raum, über den sie sich ausdehnten, ein weiterer geworden. Früher war Palästina das einzige Land, welches die Stätten des halachischen Gesetzesstudiums in sich schloß. So weit hin die Juden auch selbst während des zweiten Tempels außerhalb des heiligen Landes in Colonien lebten, so erkannten sie 'sich doch in allen religiös-gesetzlichen Vorschriften vollständig von den Entscheidungen in Palästina abhängig. Selbst die gebildeten alexandrinischen Juden, die doch einen gewissen Aftertempel hatten, eine sehr eigenthümliche religionsphilosophische Richtung pflegten, schauten dennoch nach dem Tempel in Jerusalem, nach den Lehrhäusern im Mutterlande mit unvermindeter Verehrung hin und holten sich für alle Fälle des religiösen Lebens Aufschluß und Bestimmung von dort. Umsomehr galt Dies von den zahlreichen Juden in den minder eultivirten Ländern, namentlich in Babylonien. Dort waren von Alters her beträchtliche Ansiedelungen, theils Nachkommen von denen, die bei der Rückkehr ihrer Brüder aus dem babylonischen Exile das neugewonnene persische Vaterland nicht verlassen hatten, theils spätere Einwanderer, die während der so häufigen bedrohlichen Zustände des judäischen Staates dort eine Zuflucht suchten und einen sichern Wohnsitz fanden. Doch blieben sie ohne geistige Cultur und von rohen Sitten, und es ist in der älteren Zeit, solange Judäa noch einen Rest von Selbstständigkeit hatte, solange der Tempel und mit ihm die theils von ihm abhängigen, theils die mit ihm rivalisirenden Institute