Jüdische Zeitschrift für Wissenschaft und Leben
- Journal
- Jüdische Zeitschrift für Wissenschaft und Leben
- Volume
- 8 (1870)
- Issue
- 4 (1870)
- Date
- 1870-01-01
- Page
- Seite 287 (sequence 47)
- Language
- German
- Belongs to
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III, Die jerusalemische Gemara. 28? auch alte in den Schulen festformulirte Aussprüche auf, die der Richtung der alten Halachah entflossen, später ihre Geltung derloren haben; aber durch den Zusammenhang, in den er sie bringt, erhalten sie einen von ihrem ursprünglichen ganz abweichenden Sinn 1). Dies dürfte auch der eigentliche Sinn des dunkel klingenden Satzes sein, den Jochanan, der unmittelbare Nachfolger Rabbi's, zwei Male im Jeruschalmi (Peah. 2, 6. Chagigah 1, 8) ausspricht: ״Wenn Dir eine Halachah vorkommt und Du weißt nicht recht, welcher Art sie ist, so suche sie nicht in entlegenem Sinne zu deuten, denn gar manche Halachah's sind dem Moses auf Sinai gesagt worden, und alle sind sie eingesenkt in die Mischnah^ (אם באת חללה תחת ידיך ואין את יודע נלה טיבה אל תפליגכה לדבר אחר שהרי כבלה הלכות באבלרו לבלשה בסיני וכולן נלשוקעות בבלשנה), das heißt Wohl: es gibt Halachah's gar mancher Art, auch solche der alten Richtung, die dennoch der Mischnah einverleibt sind. So war denn ein maßgebender Codex vorhanden, hinter den alle älteren Sammlungen zurücktreten mußten. Freilich wurden sie damit nicht ganz und gar verdrängt, wenn sie auch an Geltung der Mischnah sich unterordnen mußten. So blieben Mechiltha und Sifre aufbewahrt, nur erhielten sie Zusätze und Aenderungen; sie wie alle sonstigen Aussprüche, die nicht der Mischnah einverleibt waren, hießen nun Baraitha's, die außerhalb befindlichen, und auch sie wurden in Sammlungen angelegt, und zwar nicht blos der völlig umgearbeitete Sifra zum Leviticus, sondern auch in der Form von Zusätzen zur Mischnah selbst, welche von Vielen unternommen wurden, unter denen jedoch die Sammlungen von C h i j a und Oschaja als die correctesten anerkannt wurden und die sich — Wohl nicht vollständig — in unserer Toßeftha erhalten haben. Sie wie andere Baraitha's, die entweder andern verloren gegangenen Sammlungen angehört oder sich vereinzelt fortgeerbt haben, wurden in den Schulen vorgetragen, discutirt, *) Ich verweise blos aus zwei Aussprüche, die ursprünglich offenbar einen andern Sinn hatten, als sie ihn durch ihre Stellung in der Mischnah erhalten. Der eine ist der alte, der späteren Halachah widersprechende Kanon über die lügenhaften Zeugen, Makkoth 1, 6, der Urschrift S. 195 ff. behandelt ist, der zweite bezeichnet das Verfahren mit dem nach der Wüste zu entsendenden Sündenbocke, Ioma 6, 5, der gleichfalls nicht späteren Annahmen entspricht und der Ozar nechmad III S. 14 f. besprochen ist.