Jüdische Zeitschrift für Wissenschaft und Leben
- Journal
- Jüdische Zeitschrift für Wissenschaft und Leben
- Volume
- 8 (1870)
- Issue
- 4 (1870)
- Date
- 1870-01-01
- Page
- Seite 286 (sequence 46)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
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286 HI. Die jerusalennsche Gemara. Exemplaren der Name früher gestanden und von unkundigen Abschreibern in das geläufigere Wort umgewandelt wurde, einmal dennoch stehn geblieben, ist eine Vermuthung von Weiß (Mechiltha S. XVI, vgl. diese Ztschr. IV, 125), die noch der Bestätigung harret 1). Jedoch mag der Name der Mechiltha aus welchem Grunde es sei in den Gemaren nicht Vorkommen, ihr Inhalt, und zwar im Namen des alten Jsmael (neben dem dann meistens sein antagonistischer Zeitgenosse Akiba erscheint) und seiner unmittelbaren Schüler wird unzählige Male in denselben reproducirt. Es drängte jedoch auch die Anhänger der siegreichen neuen Halachah, die Scheu vor einem schriftlichen Abschlüsse zu überwinden. Mit der Auflösung des jüdischen Staates, dem erschwerten Aufenthalte in Palästina und der dadurch beginnenden zahlreichen Auswanderung nach andern Ländern, namentlich nach Babylonien, drohte auch die innere Einheit zu zerfallen, und ein Buch von normativem Ansehen sollte die zerstreuten Glieder umschlingen. Es fand sich der rechte Mann dazu. Während die früheren Nachkommen Hillel's, wenn sie auch ererbtes Ansehn genossen, auch von Seiten der Römer mit dem Patriarchate belehnt waren, dennoch mit größeren oder doch ebenbürtigen Schulhäuptern um ihre Geltung ringen mußten, stand Juda, Sohn Simon's ben Gamaliel II, — Rabbi — unbestritten da als geistiger Fürst seiner Zeit, und er eben legte nun eine Sammlung an, die ihre unvollkommenen Vorbilder hatte, aber nun vollständig nach dem geltenden Standpunkte abschloß, die Mischnah. Diese Sammlung lehnte sich offenbar nicht nur in ihrer Anordnung, sondern auch in ihrem Inhalte an ähnliche Werke unter gleichem Namen, wie sie in früherer Zeit angefertigt waren, an. Sie enthielt auch Aussprüche von Autoritäten der alten Halachah neben denen der neuen; so werden die Ansichten der Schammaiten sehr häufig referirt, nicht minder die Elieser's, Jsmael's und Anderer, dennoch übergeht der Sammler — wie wir nicht blos aus Mechiltha und Sifre erfahren, sondern auch aus Toßeftha und Sifra wie aus den Baraitha's in den Gemaren — Vieles von ihnen, offenbar absichtlich, mit Stillschweigen, und gar jüngere weniger anerkannte Autoritäten der alten Halachah, wie Männer aus der Schule Jsmael's, ignorirt er gänzlich. Er nimmt x) Dagegen Schorr in He-chaluz VIII, 125 f. und neuerdings Friedmann in seiner Mechiltha-AusgaLe, aus die wir später zurückkommen werden.