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Jüdische Zeitschrift für Wissenschaft und Leben · 1870-01-01 · 4 (1870) · p. Seite 285

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Journal
Jüdische Zeitschrift für Wissenschaft und Leben
Volume
8 (1870)
Issue
4 (1870)
Date
1870-01-01
Page
Seite 285 (sequence 45)
Language
German
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III. Die jerusalermsche Gemara. 285 die Thoßeftha, und die Baraitha zum Leviticus, nämlich Sifra, den Jsmael seltener, seine Schüler aber gar nicht nennen (vgl. diese Zeitschr. Bd. II S. 13 und 14 Anm.). Allein Mechiltha und Sifre enthalten eben gerettete Ueberreste der alten Halachah aus der Schule Jsmael's (vgl. noch diese Zeitschr. Bd. IV S. 105—114), während die andern genannten Werke gänzlich neu aus der Grundlage der jüngeren Halachah errichtet sind. Man darf mit vollem Rechte annehmen, daß Jsmael, der noch dazu selbst Ahronide war und priesterliche Sympathieen hatte, auch einen halachischen Midrasch für den Leviticus angelegt habe, aus dem uns wirklich noch Bruchstücke in Anführungen der Gemaren geblieben sind; allein die ganze Sammlung ist nicht aufbewahrt, vielleicht absichtlich, weil sie das priesterliche Interesse zu stark vertreten haben mag, verdrängt und an ihre Stelle ein anderer, auf Grundlage der neuen Halachah errichteter Midrasch, unser Sifra, angefertigt worden. Dies ist, wenn man die geschichtlichen Wandelungen in der halachischen Literatur beachtet, durchaus nicht auffallend. War ja überhaupt der Leviticus das Buch, dem zuerst das Studium zugewendet werden sollte, und so ward auch die ihm gewidmete Baraitha zunächst gründlich umgeändert. Frankel hingegen, der vor dieser Erkenntniß das Auge verschließt, sieht (Einl. in Jer. S. 109 a) in den gemaristischen Anführungen aus der Schule Jsmael's zum Leviticus gerade umgekehrt einen Beweis dafür, daß — der alte Jsmael überhaupt keine Baraitha's angelegt, alle Anführungen zu den verschiedensten Büchern, welche der Jeruschalmi als ״R. Jsmael lehrt" (תכי ד' ישבלעאל), der Babli als ״in der Schule Jsmael's wird gelehrt" (ת' דבי רי) enthält, nicht dem alten Jsmael angehören, sondern einem späten Amora gleichen Namens, einem ganz unbekannten Manne, der nur einigen Ruf durch drei gelehrte Söhne erlangt, nach deren einem (Judan) er in Jeruschalmi einige wenige Male als ״Jsmael, Vater des Judan" genannt wird, während ihn Babli gar nicht kennt! Die Hypothese, deren Haltlosigkeit nur von der Zuversichtlichkeit, mit der sie Fr. aufstellt, übertroffen wird, ist so abenteuerlich, daß es am Besten ist, nicht weiter darauf einzugehen. Daß die Mechiltha nicht mit diesem Namen in den Gemaren vorkommt, beweist höchstens, daß der Sammlung dieser Name erst später beigelegt wurde, während sie früher den allgemeineren Namen: Halachah, Hilchetha, תלכתא, gehabt zu haben scheint; ob etwa in unfern Gemara-

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