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Jüdische Zeitschrift für Wissenschaft und Leben · 1870-01-01 · 4 (1870) · p. Seite 284

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Journal
Jüdische Zeitschrift für Wissenschaft und Leben
Volume
8 (1870)
Issue
4 (1870)
Date
1870-01-01
Page
Seite 284 (sequence 44)
Language
German
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284 III. Die jerusalemische Gemara. bald zu definitivem Abschlüsse. Die Pharisäer hatten eine gewisse Scheu vor der schriftlichen Feststellung und Sammlung, weil sie der weiteren Ausführung und Umgestaltung hemmend in den Weg trat; sie überließen ihre Gesetzesausbildung lieber der gefügigeren mündlichen Lehre, die damit auch eine jede Fixirung für die Zeit ihrer Entstehung vermied und sich als uralter Zeit entstammend und fort überliefert darstellte. Dennoch konnte es nicht fehlen, daß solche schriftliche pharisäische Halachah-Sammlungen angelegt wurden, die, wenn sie auch nicht zu normativem Ansehn gelangten und im Laufe der Zeit als der Berichtigung bedürftig erschienen, dennoch in gewissen Kreisen eine große Bedeutung ge- Wannen und von der andern Seite zu Ergänzungen und Umarbeitung herausforderten. Dies mußte besonders zu der Zeit geschehen, als die alte Halachah mit der jüngeren um die Anerkennung dauernder Geltung rang, als beide in besonderen Schulen gelehrt wurden und zahlreiche Anhänger hatten. Allerdings wurden die Sammlungen der alten Halachah immer mehr theils ganz verdrängt, theis durch Zusätze und Correcturen unkenntlich gemacht, je mehr die neuere ihr Uebergewicht befestigte. Allein nach der ganzen Eigenthümlichkeit des alten Lehrganges und gemäß der Ehrerbietung, welche auch den unterliegenden alten Lehrern gezollt wurde, erhielten sich doch im Andenken der Nachwelt ganze zusammenhängende Sammlungen über einzelne biblische Bücher oder zahlreiche Bruchstücke und vereinzelte Lehren. Dies gilt nun besonders von den Sammlungen, welche von Jsmael, der letzten bedeutenden Stütze der alten Halachah, und in seiner Schule theils angelegt, theils nach ihrer alten Feststellung gegenüber den neuangelegten. Sammlungen der jüngeren Halachah festgehalten wurden. Es ist in neuerer Zeit zur vollen Evidenz gebracht worden, daß die alten Baraitha's zum Exodus unter dem Namen der Mechiltha, zu Numeri und Deuteronomium unter dem Namen Sifre ihrer Grundlage nach dem Jsmael und seiner Schule angehören, aber später vielfache Zusätze, auch Aenderungen erfahren haben. Diese unleugbare Thatsache mußte Frankel selbst zugeben und bekräftigte sie in seinem früheren, der Mischnah gewidmeten Werke (S. 146 ff.). Freilich konnte er sich die Erscheinung nicht erklären, daß nur in diesen beiden Werken Jsmael und seine beiden unmittelbaren Schüler, Joschiah und Jonathan, so sehr häufig Vorkommen, während die Mischnah, dann deren Ergänzung,

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