Jüdische Zeitschrift für Wissenschaft und Leben
- Journal
- Jüdische Zeitschrift für Wissenschaft und Leben
- Volume
- 8 (1870)
- Issue
- 4 (1870)
- Date
- 1870-01-01
- Page
- Seite 283 (sequence 43)
- Language
- German
- Belongs to
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III. Die jerusalemische Gemara. 283 Von der saddueäischen Satzung und ringt danach die äußeren Hüllen leichter, durchsichtiger zu machen, zu beschränken und der frommen Gesinnung eine nachdrücklichere Einwirkung zu verschaffen. Diese glückliche Wendung war jedoch von den verzehrendsten bürgerlichen Kämpfen, die gegen die Uebermacht des Auslandes geführt werden mußten, begleitet, und konnte nicht zu vollen Resultaten führen. Nun erfolgte die Zerstörung des Staates und des Tempels. Die Priestermacht war gebrochen, aber auch der Kampf gegen sie war dadurch gegenstandslos geworden, ja er mußte zum Theile, weil gegen eine alte geheiligte vaterländische Institution gerichtet, die sich in der Erinnerung mit neuem Nimbus verklärte, als ein die Pietät verletzender erscheinen. So war der Sadducäismus im Aussterben begriffen, der Pharisäismus mit der bereits erstarkten neuen Halachah stand siegreich da, diese breitete sich mehr aus und gewann immer weitere Consequenz und dennoch strebte sie nicht voll dem Ziele entgegen, da ihr der Gegensatz fehlte, gegen den sie ihre Spitze kehren sollte. Die neue Halachah, wie sie namentlich mit Akiba ihre volle Ausbildung fand, entfernte sich allerdings in vielen Punkten scharf von der alten, die noch mehr mit dem Sadducäismus in enger Berührung gestanden; aber die Umgestaltung zeigt nicht den Charakter eines durchgreifenden Princips, eines befreienden Gedankens. Der Pharisäismus ging von vorn herein von einer gesunden großen Gesinnung aus und hatte doch nicht die Kraft, derselben gegenüber der israelitschpriesterlichen Richtung den vollen Ausdruck zu geben. Die neue Halachah mit ihrer schärferen antisadducäischen Aus- Prägung war siegreich geblieben, aber die alte Halachah war damit doch nicht ganz verdrängt. Der Schammaitismus, wie diese auch gegenüber jener als dem Hillelismus hieß, hatte noch seine sehr gelehrten und angesehenen Anhänger. So war Elieser Vertreter der alten Halachah gegen Josua und Gamaliel, Jsmael u. A. gegen Akiba. Schon die Sadducäer hatten Schriften angelegt, in welchen ihre neuen Anordnungen (Geseroth) gesammelt und dauernd festgestellt waren. Deren Geltung wurde von den Pharisäern mit aller Energie bekämpft, es gelang ihnen dieselben um allen Credit zu bringen und an ihre Stelle die Sammlungen ihrer eignen Halachah's zu setzen. Diese blieben jedoch im Flusse der Ent- Wickelung und sie gelangten, der Discussion und dem lebendigen Drange nach immer schärferer Ausbildung unterworfen, nicht so