Jüdische Zeitschrift für Wissenschaft und Leben
- Journal
- Jüdische Zeitschrift für Wissenschaft und Leben
- Volume
- 8 (1870)
- Issue
- 4 (1870)
- Date
- 1870-01-01
- Page
- Seite 281 (sequence 41)
- Language
- German
- Belongs to
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III. Die jerusalemische Gemara. 281 hältnissen, nicht blos in dem Verlangen nach einem möglichst engen Anschlüsse an die ehemaligen Zustände, nach einer vollständigen Restauration, er wurde noch durch besondere Umstände begünstigt. Schon während des Exils, noch mehr seit der Rückkehr scharte sich das Volk als um seinen Mittelpunkt um zwei Familien, die bereits früher im Reiche Juda an der Spitze gestanden: das davidische Königshaus und das Priestergeschlecht des Zadok, das von alter Zeit her als treu zu Juda haltend in hohen Ehren stand und deßhalb als allein berechtigt zu priesterlichen Functionen galt. Bei der staatlichen Machtlosigkeit sinkt das Ansehen der davidischen Sprößlinge immermehr, und bald treten sie gänzlich vom Schauplatze zurück; umsomehr erhöht sich die Bedeutung des zadokitischen Priesterthums, und dessen Erben werden Priesterkönige. Die Folgen dieser geschichtlichen Umwandlung machen sich bald bemerklich, das priesterliche Element und mit ihm die ganze israelitische Aeußerlichkeit tritt in seiner ganzen Breite, das Leben umspannend hervor, und diese Richtung äußerlicher Frömmigkeit wird mit dem ganzen Eifer patriotisch-religiöser Hingebung gepflegt. Allein der lebendige Geist, wie er von Juda ausgegangen, war zwar zurückgedrängt, doch nicht erstorben, Wohl lehnte sich das Volk an Tempel, Opfer, Priesterthum und priesterliche Satzung, und dennoch war das Bewußtsein allgemeiner Heiligkeit, der Anspruch aus religiöse Ebenbürtigkeit nicht erstickt. Die äußerliche religiöse Umhüllung hatte weiten Raum gefunden, und doch war das Verlangen wach nicht darin aufzugehn, und man fühlte das Bedürfniß danach, den Einklang des Lebens mit der religiösen Vorschrift herzustellen. Die Liebe Zum Stamme und zum Boden genügte sich auch nicht an der engen Gränze, von der dieselben umschlossen waren, das Ideal, wie es in Juda zum Leben erweckt war, die ganze Menschheit zu umfassen, ließ sich nicht ganz verdrängen, wenn auch vielfach beschränkt und getrübt, begeisterte es das Volk noch immer. So entstand bald neben der zadokitisch (sadducäisch) priesterlichen herrschenden Richtung in dem gesunden Bürgerthum eine Gesinnung, die keineswegs von jener ganz befriedigt war; nur widerwillig duldete man die bevorzugte Stellung des Priesterthums, und nicht vermögend sie ganz zu beseitigen, da sie durch das Bollwerk der israelitischen Gesetzgebung geschützt war, glaubte man doch deren Uebergriffe abwehren zu müssen, namentlich aber dem ganzen Volke, zumal den Gesetzeskundigen, eine