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Jüdische Zeitschrift für Wissenschaft und Leben · 1870-01-01 · 4 (1870) · p. Seite 280

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Journal
Jüdische Zeitschrift für Wissenschaft und Leben
Volume
8 (1870)
Issue
4 (1870)
Date
1870-01-01
Page
Seite 280 (sequence 40)
Language
German
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IRI
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280 in. Die jerusalemische Gemara. süchtige Erwartung wieder in dieses Verhältniß einzutreten. Diese Stimmung der Gemüther drängle umsomehr zum entschiedenen Festhalten an dem Ueberkommenen, aus dem geheiligten Vaterlande Mitgebrachten; jede Abweichung davon, wenn auch das Fortschreiten im ächten Geiste Juda's ihr die Berechtigung gegeben hatte, mußte als eine Verletzung, als ein Frevel an dem heiligen Erbe erscheinen. Die Sehnsucht ward erfüllt, der Edelsinn des Perserkönigs gestattete die Rückkehr nach Judäa, und allmählich wuchs die Anzahl der die alte Heimath wieder aufsuchenden Vaterlandsfreunde bedeutend heran. Darunter waren Männer von ausgezeichnetem Geiste, mit ächt judäisch prophetischem weiten Ausblicke, deren Herz hoch anschwoll von der herrlichen Aufgabe, die nun dem Volke zu Theil geworden, ,,ein Licht der Völker", ein strahlendes Vorbild der Menschheit zu sein, bei aller Fernhaltung von heidnischer Abirrung frohmuthig bereit zu stehn, um die ganze Menschheit in seinen Umkreis aufzunehmen, voll des innersten lautersten Sinnes, des sittlichen Menschenwerthes, der nicht nach äußerer willkürlicher Menschenscheidung, zumal der Begränzung durch priesterliche Abstammung, nicht nach der Außenfrömmigkeit, nicht nach dem sinnlosen Gepränge angelernter Werke abschätzt. Doch vermochten sie bei aller Gluth ihrer Rede nicht zu der hohen Reinheit ihrer Gesinnung zu erheben. Das Volk schaute nicht zum Himmel empor, der frei sich über das eigne Land hinaus um die ganze Erde wölbt, es umklammerte mit heißer Fiebergluth den neu gewonnenen Boden des Vaterlandes, hastete an seiner Erde wie an den äußeren Erscheinungen des geistigen Lebens, die dieser entsprossen waren. Sein Anliegen war es vielmehr, alle Ueberlieferungen, wie sie aus der vaterländischen Vergangenheit in seiner Erinnerung lebten, ungeändert nun zur Wirklichkeit zu erwecken, an Staat und Tempel und alte Satzung sich neu zu knüpfen. Der judäische reformatorische Geist, in der Mitte zum Stillstände gebracht, war ermattet, die Umgestaltung der israelitischen gesetzlichen Ausprägung in die judäische war abgebrochen, die vorhandenen schriftlichen Denkmale beider weit aus einandergehenden religiösen Anschauungen, der israelitischen nicht minder als der judäischen, gelangten zu gleicher Geltung, und man versuchte eine Ausgleichung zwischen ihnen herzustellen. Der altisraelische äußerliche priesterliche Geist fand seine Nahrung nicht blos in den den freien Schwung des Geistes lähmenden ärmlichen Ver-

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