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Jüdische Zeitschrift für Wissenschaft und Leben · 1870-01-01 · 4 (1870) · p. Seite 279

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Journal
Jüdische Zeitschrift für Wissenschaft und Leben
Volume
8 (1870)
Issue
4 (1870)
Date
1870-01-01
Page
Seite 279 (sequence 39)
Language
German
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III. Die jerusalernische Gemara. 279 ihren Umrissen gegeben sind, hier kurz resumiren, um mit Sicherheit zum Jeruschalmi vorschreiten zu können. — 1. Die Gesetzgebung, wie sie aus dem religiösen Bewußtsein in dem zuerst erstarkten und zum Uebergewichte gelangten Reiche Israel hervorgegangen war, hat einen scharf ausgeprägten priesterlichen Charakter; der Opferdienst mit Abgaben an Priester und Leviten steht machtvoll im Vordergründe. In enger Berührung mit den heidnischen Völkern ist sie einerseits von deren Anschauungen und Satzungen nicht ganz frei, geht sie andererseits mit allem Nachdrucke darauf aus, ihren Gegensatz gegen verabscheute Gebräuche scharf hervorzukehren, sowie sie z. B. dem Menschenopfer die Beschneidung, die Auslösung der Erstgeborenen und dergl. entgegensetzt. — Allmählich erlangt jedoch das in sich mehr geschlossene Juda den Vorrang und bleibt dann ein Jahrhundert, nachdem das Reich Israel breits zerstört war, allein auf dem Schauplatze. Juda ist sich selbst im Ganzen ״ein heiliger Stamm", es bedarf nicht einer besonders geheiligten Priesterkaste, und wenn es auch seinen Tempel und Opferdienst hat, so schränkt es doch diesen möglichst ein und will von priesterlichen Vorrechten Nichts wissen. Seine ganze Gesetzgebung wächst aus einer erstarkten, vom Heidenthum wenig berührten religiösen Gesinnung heraus, sie ist gegenüber der israelitischen entschieden reformatorisch, Vieles abrogirend; sie kennt nicht Beschneidung, nicht Auslösung der Erstgeborenen, sie weiß Nichts von den mannichfaltigen Opfern und dem damit zusammenhängenden Fettverbote, Nichts von den vielen Abgaben an Priester und Leviten, von mannichfachen Eheverboten, von den vielfachen äußerlichen Verunreinigungen und den dagegen anzuwendenden ebenso äußerlichen Reinigungsmitteln und dergl., sie ist innerlicher, von dem reinen Geiste des Gotteseinheitsglaubens getragen. Doch im besten Zuge, das Leben seiner Angehörigen wahrhaft religiös zu durchleuchten, erliegt auch das kleine Juda den Streichen übermächtiger Nachbarn. Der Kern der Bevölkerung muß das geliebte Heimathland verlassen und wird in Babylonien angesiedelt. Durch die Hemmung der freien Bewegung, durch die Entfernung von dem Boden, auf dem das religiöse Geistesleben erwachsen war, entstand ein Stillstand in der innern Entwickelung der religiösen Gesinnung und in deren vollkräftiger Ausprägung, dazu kam der wehmüthige Blick nach der entschwundenen Selbstständigkeit, die Verklärung, in der die Vergangenheit entgegenstrahlte, die sehn-

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