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Jüdische Zeitschrift für Wissenschaft und Leben · 1870-01-01 · 4 (1870) · p. Seite 277

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Journal
Jüdische Zeitschrift für Wissenschaft und Leben
Volume
8 (1870)
Issue
4 (1870)
Date
1870-01-01
Page
Seite 277 (sequence 37)
Language
German
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Das Targum der Chronik. 277 chronistischen Parallele anzumerken, und im Fortgange der Uebersetzungsthätigkeit konnte der hagadische Strom an dem letzten Mündungspunkte noch neue Deutungs-Schätze ablagern. Ganz anders jedoch als für die erste Grundlage unseres Targums stellt sich das Urtheil für die jetzige Fassung und folglich auch für die Abfassungszeit desselben und den redaktionellen Abschluß. Wir finden da nicht blos das 5*1 ספרא דבי zum Zwecke der hagadischen Ausführung zu I 11, 22 und zwar ganz nach dem Beispiele der talmudischen Auslegung Berachoth 18a, ja sogar mit dem Zusatz: מוא סיפרא דאוריית להניא angeführt, sondern eine große Zahl der nur theilweise oben angeführten Deutungsbeispiele haben geradezu die talmudische Deutung zur wörtlichen Grundlage, so daß die Abfassung in eine Zeit fällt, in der der babylonische Talmud nicht bloß abgeschlossen war, sondern schon als maßgebende Autorität und alleinige Hauptquelle aller Schriftauslegung galt. Wir werden somit bis in's 8te Jahrhundert herabgeführt, in die Zeit, wo man in den Schulen Babylon's die talmudische Halacha und in den palästinensischen Schulen die biblische Massorah pflegte und durch Noten und Normen festzustellen begann. Ganz an das Ende dieser Entwicklung unser Targ. zu setzen, erscheint darum nicht rathsam, weil man nach bereits sichergestellten massoretischen Normen die auf einer so freien Grundlage beruhende Version doch nicht autorisirt, kaum erhalten hätte. Außerdem haben wir auch an dem echt aramäischen Sprachcharakter, der von jedem Arabismus noch frei ist, einen sicheren Anhaltspunkt, um nicht zu tief in das 9te Jahrhundert hinabzugehen. Wir werden demnach nicht zu sehr fehlgehen, wenn wir die Abfassungszeit des Targums und zwar des in dem Erfurter 60cl. enthaltenen älteren Textes beiläufig in die Mitte des 8ten Jahrhunderts und die des jüngeren in dem Cambridger Cocl. enthaltenen in den Anfang des 9ten Jahrhunderts p. Ehr. setzen. Der Umstand, daß den Männern von so umfassender Kenntniß der jüdischen Literatur, wie Nathan ben Jechiel und Raschi unser Targum nicht bekannt war (Zunz a. a. O. p. 65 f.), bezeugt blos, daß man dem Chronikbuche überhaupt zu wenig Studium und Aufmerksamkeit zuwandte, um das dazugehörige Targum durch Abschreiben zu vervielfältigen.

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