Jüdische Zeitschrift für Wissenschaft und Leben
- Journal
- Jüdische Zeitschrift für Wissenschaft und Leben
- Volume
- 8 (1870)
- Issue
- 4 (1870)
- Date
- 1870-01-01
- Page
- Seite 275 (sequence 35)
- Language
- German
- Belongs to
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Das Targum der Chronik. 275 man dem Lehrer, dem "חזן לואת תיהן תינוקות קולאים" (SabbaLh 1, 3) in die Hand; Lehrer und Schüler werden es allmählich sich abgeschrieben, vervielfältigt und vervollkommnet haben. Und wollen wir Beweise, daß dieser Schulunterricht sich über die ganze heilige Schrift erstreckt hat, so brauchen wir bloß den Talmud durchzublättern, um die Citate zusammenzustellen, zu denen die Kinder — zum Behufe von Wahrzeichen! — mit den Worten פסוק לי פסוקך Sage mir Deinen Bibelspruch her, den Du heute in der Schule gelernt hast! — aufgefordert werden, so treffen wir solche aus den verschiedensten biblischen Schriften; vergl. Chullin 95b aus Samuel, Chagiga 15 3. und b aus Jesaj., Jerem. und Psalm., Thaanit 9a aus Pentat. und Proverb.; Gittin 56a aus Ezech. u. s. f. Vergleiche noch Aboda Sara 19 a und Pesachim 62 b, woselbst auch nur vom Lehrvortrag die Rede ist, der also auch auf die Chronik sich erstreckte. Diese Erklärung und Auffassung der heiligen Schrift mußte mit der Entwicklung des jüdischen Geistes, von den Häusern der verschiedenen Schulen getragen, gleichen Schritt halten. Es war immer der Geist einer bestimmten Schule, den die Uebersetzung bekündete, wie ja in der That die Tradition von derSchule des Hillel spricht, aus der die ältere palästinensisch-jonathanische, und von der jüngeren Schule des R. Akiba (R. Elieser und R. Josua), aus der die jüngere ba bhlonisch-onkelosische Uebersetzung hervorgegangen sein soll. An die alte Erklärung setzte sich allmählich die neue, anfangs vermittelt, so daß beiden zugleich Raum gestattet wird und später unvermittelt, als abweichende Deutung in der Form einer Variante eingefügt, an. Die treue und strenge Ueberlieferung und Fortpflanzung bewahrte jedoch, wo es anging, die alte Form, so daß sich ein bestimmter gleichförmiger Uebersetzungsthpus bei aller örtlichen und zeitlichen Entfernung herausbildete. Eine passende Analogie hiezu bildet die alte ״jüdisch- * deutsche", in den "חדלים" verbreitete Bibelübersetzung (worüber Wolf Bibl. hebr. IV 194 f.) und bis zum heutigen Tage noch die Mendelssohn'sche Pentateuchübersetzung, die bei aller Verschiedenheit und Freiheit der Lehrerindividualitäten in erstaunlicher Uebereinstimmung im Munde Aller fortlebte. Damit dürfte für uns die Frage nach den Verfassern wie nach den Redactoren des Targ. gelöst sein, wenn wir auch deren Namen nicht zu ermitteln im Stande waren. Uns genügt zu wissen, daß 18*