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Jüdische Zeitschrift für Wissenschaft und Leben · 1870-01-01 · 4 (1870) · p. Seite 274

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Journal
Jüdische Zeitschrift für Wissenschaft und Leben
Volume
8 (1870)
Issue
4 (1870)
Date
1870-01-01
Page
Seite 274 (sequence 34)
Language
German
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274 II. M. Rosenberg und K. Köhler. literatur angenommen. Das Bedürfniß, das GotLeswort in der verständlichen Sprache des Volkes in der ״Versammlung" vorzutragen oder zu vernehmen, habe dieselbe in's Leben gerufen. Allein diese Erklärung ist unzureichend. Sie gibt nur Aufklärung über die Versionen des Pentateuchs und des kleinen Theils der Propheten und Hagiographen, der in der Synagoge zur Verlesung kam. Wie soll aber das Targ. zu dem überwiegend größeren Theil der Bibel, der nach dem Synagogenritus zu keiner Zeit öffentlich verlesen wurde, entstanden sein? Wie will man überhaupt jene schriftstellerische Vollendung, die einheitliche Abrundung der gesummten wie der einzelnen Targumim erklären. Wir müssen uns nach einer umfassenderen Lehrthätigkeit umsehen, die sich über die Erklärung der ganzen Bibel erstreckte; nach einer Anstalt, die für die Er- Haltung und Sicherung der überlieferten Uebersetzungen wie für deren schriftliche genaue Aufzeichnung und Vollendung Sorge trug. Diese Anstalt war die Schule. Das Beth hamidrasch oder Lehrhaus, nicht das Beth hak'neseth, die Synagoge ist die Geburtsstätte der über die ganze Bibel sich erstreckenden Uebersetzungsliteratur; hier ist die Wiege, in der man mit ängstlicher Sorgfalt über den Werth und die Bedeutung der Worte der Schrift und über ihren harmonischen Einklang mit den geltenden Regeln und Anschauungen der Zeit fortwährend wachte. Nicht der synagogale, sondern der auf alle Theile der Schrift ohne Unterschied hingelenkte Lehrvortrag der Schule hat die vielfältige Entstehung der Targumim Seitens der Schüler und Lehrer hervorgerufen, und diese wurden einzeln unter getrennten Raum- und Zeitverhältnissen, so daß sie in Form und Sprache von einander abweichen mußten, im Laufe der langen rabbinischen Entwicklungszeit zum Abschluß gebracht. Die Schule, jenes Institut des verdienstvollen Josua ben Gamla, das jedoch schon früh primitive Vorbilder im jüdischen Culturleben hatte, hatte die Aufgabe, die Kinder — בן חנלען עגנים לנלקלאו (Aboth 5, 24) — und Jünglinge in die gesummte heilige Schrift einzusühren und daran Geist und Gemüth der Jugend, natürlich auch im Sinne der rabbinischen Anschauungen, zu bilden. Die Sprache des Volkes, die aramäische, mußte den unverständlich gewordenen Text dem Verständniß nahe bringen, das schwierige hebräische Wort mußte Anfangs und späterhin der ganze hebräische Urtext in die geläufige Sprache umgesetzt werden. Dieses Targum oder diesen Uebersetzungsapparat an dem Rande des Textes gab

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