Jüdische Zeitschrift für Wissenschaft und Leben
- Journal
- Jüdische Zeitschrift für Wissenschaft und Leben
- Volume
- 8 (1870)
- Issue
- 4 (1870)
- Date
- 1870-01-01
- Page
- Seite 257 (sequence 17)
- Language
- German
- Belongs to
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I. Reuchlin und das Judenthum. 257 man darf Wohl sagen, sie hebt ihn über sich selbst empor. Fünf Jahre früher als noch keine Gefahr drohte, ist sein Urtheil über die Juden und ihren Glauben weit härter, nun aber nimmt er Alles in Schutz, vertheidigt sogar Manches mit Waffen, die nur der Anwalt, nicht der unparteiische Richter gebraucht.. Wohl beschränkt er später manche Behauptung, weil ihm der Muth ausging; das Poltern in den spätern ihm abgenöthigten Streitschriften ist nicht Ausdruck siegesgewisser Kraft, es ist weit mehr der Aufschrei ängstlicher Aufregung, und da macht er, soweit es nicht mit seiner tiefen Hingebung an die jüdische Literatur, seinem Rechtsgefühle und seiner Mannesehre in Widerspruch tritt, auch manche Coneession, allein im Ganzen verharrt er doch auf seinem Standpunkte, denn die Liebe überwindet auch die Angst. Mehr als die Streitschriften, die bedauerlicher Weise nicht den Ton einhalten, wie er einer würdigen, mulhvollen und kühnen Vertretung einer guten Sache ziemt, sondern zu sehr zum persönlichen Zanke herabsinken, mehr als sie beweisen Dies die während der langen Jahre des Streites von ihm vollendeten wissenschaftlichen Arbeiten. Denselben darf keineswegs ihr Selbstzweck abgesprochen werden, sie sind die Behandlung wissenschaftlicher Aufgaben; allein mit zu ihnen hingeleitet wird R. doch immer, um sie für die Gelehrten als Waffen in seinem Kampfe, als Mittel zu seiner Rechtfertigung zu gebrauchen. Wie die Herausgabe einer Sammlung von an ihn gerichteten Briefen berühmter Männer.(1514) ihm eine Personliche Stütze sein sollte., so sollten die Werke die Bedeutung der hebräischen Sprachkenntniß, den wesentlichen Nutzen, welchen die Rabbinen dafür bieten, die Erkenntniß der Wahrheit, welche daraus geschöpft wird, den Adel der Darstellung, welcher in ihnen waltet, Nachweisen, und so seine Sache aufs Entschiedenste vertreten. Er betont es daher in den sieben Bußpsalmen, welche er 1512, in der Accent- und Orthographielehre, die er 1518 herausgiebt, daß er rein als Schüler jüdischer Grammatiker und Exegeten austrete 1). Seine kabbalistischen Schriften, die neue Ausgabe des ״Wunderwirkenden Wortes", welche er 1514 veranstaltet, zumal das Buch ״über die kabbalistische Wissenschaft", das 1517 erscheint, dienen geradezu zur Verherrlichung der jüdischen Gelehrsamkeit und der Träger derselben. Selbst die harmlose Uebersetzung des Gedichtes ף Reuchlin S. 135 ff., S. 141 ff. Bierteljahresschrist VIII. 4. 17