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Jüdische Zeitschrift für Wissenschaft und Leben · 1870-01-01 · 4 (1870) · p. Seite 255

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Journal
Jüdische Zeitschrift für Wissenschaft und Leben
Volume
8 (1870)
Issue
4 (1870)
Date
1870-01-01
Page
Seite 255 (sequence 15)
Language
German
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I. Reuchlm und das Judenthum. 255 und vorurtheilsvolle Gesinnung, an die er sich richten mußte, sie ihm aufnöthigte. In dem Gutachten thut er Dies mit Ruhe und Vorsicht, aber mit Wärme und mannhaftem Muthe. Während er die Anklage, als hätten die Juden die Bibel verfälscht, als eine lügenhafte und als eine Angabe, die mit der peinlichen von den Juden bewiesenen Sorgfalt für die reine Bewahrung der heiligen Schrift in vollem Widerspruche steht, entschieden abweist, glaubt er einer Vertheidigung der Kabbalah *überhoben zu sein, da durch Pico von Mirandola's Apologie überzeugend dargethan sei, daß ihre Lehren zur Stützung des christlichen Glaubens dienlich seien, und sie von dem Papste Sixtus IV. — mit dessen Erlaubniß hebräisch-kabbalistische Werke übersetzt wurden x) — bereits einer־ kannt sei. Für die ״Glossen und Commentarien zur Bibel (Raschi, Levi ben Gerson, die Kimchi's und A.)" tritt er besonders in die Schranken; ihren Werth hätten die früheren christlichen Gelehrten sehr wohl zu schätzen gewußt und hätten deßhalb von ihnen aufgenommen. Auch die jetzigen sollten mit ihrer Hülfe die Bibel verstehen lernen, um nicht falsche Erklärungen anzunehmen. Philosophische, Naturwissenschaftliche, Poetische und sathrische Schriften, wenn sie nicht offenbare Schmachbücher wären, böten gar keinen Grund zur Verfolgung, ebenso seien Predigt- und Gesangbücher unantastbar, da den Juden von Kaisern und Päpsten das Recht verliehen worden, in ihren Synagogen bei ihrem Ritus zu verbleiben. Die schwierigste Stellung hat R. gegenüber dem Thalmud. Er muß eingestehen, daß er über denselben aus eigener Kenntnißnahme nicht urtheilen könne, da er seiner nicht habhaft werden konnte, er kennt ihn blos aus Anführungen. Dabei sei der Thalmud durch die Sprache, in der er abgefaßt, und durch seine Form der Darstellung schwer derstündlich. Daher rühre manche Anklage lediglich von Mißverständnissen her, diese Schwierigkeit müsse aber gerade ein Sporn sein zur Erlernung der Sprache und zur Besiegung der Trägheit, welcher die dazu berufenen Geistlichen sich hingäben, umsomehr als hier die Veranlassung geboten sei, Jrrthum und Aberglauben zu bekämpfen, die sich etwa im Thalmud finden, wie sie denn mit der menschlichen Vernunft verbunden seien, damit die Rechtgläubigen daran erstarken. Andererseits aber enthalte der Thalmud gerade *) Renchlin, S. 25. 172.

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