Jüdische Zeitschrift für Wissenschaft und Leben
- Journal
- Jüdische Zeitschrift für Wissenschaft und Leben
- Volume
- 8 (1870)
- Issue
- 4 (1870)
- Date
- 1870-01-01
- Page
- Seite 251 (sequence 11)
- Language
- German
- Belongs to
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I. Reuchlin und das Judenthum. 251 der in der Christenheit wieder auf die Quellen zurückführte, dieselben wieder mit vollem Verständnisse erschloß, die Verbindung dieser neuen Erkenntniß mit allen sonstigen Mitteln der Gelehrsamkeit anbahnte, er führte nicht blos zur Bekanntschaft mit dem hebräischen Texte der Bibel, sondern lenkte auch von der steifen Auffassung derselben nach kirchlichen Vorurtheilen ab und vermittelte die natürliche Erfassung derselben, wie sie durch die rabbinischen Exegeten erkannt worden, er bemühte sich auch die spätere jüdische Literatur zur Geltung zu bringen, sie weithin bekannt zu machen und in den Kreis der Studien einzuführen, kurz er erhob das Judenthum wieder zu einer für die Entwickelung der Menschheit mitwirkenden geistigen Lebensmacht. Seit seinem Auftreten ist diese Erkenntniß und dieses Bestreben erfrischend geblieben, wenn sie auch mannichfach modifieirt wurden. Abraham wohl gesagt habe, ein Stück Land, an Werth von 400 Sekel, sei ja zwischen ihnen gar nicht der Rede Werth (1 Mos. 23, 15), als wolle er es ihm unentgeltlich überlassen, während Abraham die Absicht wohl merkte, daß er ihm den Kaufpreis damit angegeben. — Die Worte ״edler" Menschen, sagt er dann, werden in Ruhe gesprochen, ובלבלדות בבלז7 ד;בל!ל. Wenn R. Dies übersetzt: De moribus vox stulta, vox tonitru, und keine Abweichung dazu bemerkt wird, so ist hier der Sinn verfehlt; es heißt: zu den gemeinen Sitten jedoch gehört geräuschvolles Sprechen. Indem der Dichter warnt, keine Veranlassung zu einem Verdachte gegen sich zu geben, sagt er, um diese Ermahnung zu bekräftigen: אז יטומטו בחלוק mm ראה עבד בלבלי שבה! ואבלרזד• Hier scheint R. im Ganzen richtig verstanden zu haben, wenn er übersetzt: Servum — Servam bei W. ist blos Druckfehler — vide domini, fuit ministrans Labio absque camisiam gerens sine ora, während M. einen von W. gebilligten Unsinn giebt: Lenitur absque labio et s^rmone. Es bezieht sich darauf, daß nach Gemara Thaanith 11b und Abodah sarah 34a Moses während der sieben ersten Tage nach Errichtung des Stistzeltes den Dienst verrichtet habe in weißem Gewände ohne Saum, und zwar nach einer Erklärung, um den Verdacht nicht auskommen zu lassen, als könne er etwas für sich einstecken (vgl. Schekalim 3, 2). — Beschließen wir diese kleine Lese mit einer Stelle, in der R. das vollkommen Richtige erkennt, die Andern aber abirren. Die Worte nämlich: כלך אצל בבי דזבלחקל übersetzt R.: Vade ad viros sacrae professionis, anders M.: Vas tuum sit . . . , wogegen W. formelle Bedenken hat, von R. aber meint er, er müsse wohl לך oder ולך gelesen haben, und bedenkt nicht, daß als späthebr. Form in der Baraitha הלך nicht ungewöhnlich ist in dem Sinne: gehe hin, die der Dichter als seinem Metrum bequem hier wählt. Es genüge an diesen Bemerkungen mit Uebergehung von Berichtigungen untergeordneter Art.