Mannheim
Compact Memory

Jüdische Zeitschrift für Wissenschaft und Leben · 1870-01-01 · 4 (1870) · p. Seite 249

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Jüdische Zeitschrift für Wissenschaft und Leben
Volume
8 (1870)
Issue
4 (1870)
Date
1870-01-01
Page
Seite 249 (sequence 9)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
96% known words query
IRI
…/2420973-2421001-2421004--2515-2423608
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

Mentioned entities

OCR text

1 entity mentions

I. Reuchlin und das Judenthum. 249 auch selbstständige Abweichungen, aber kaum einen Jrrthum im Gebrauche der Quellen nach 1). Wahrhaft überraschend ist, wie er mit feinem Verständnisse in die kunstvoll angelegten Dichtungen des Mittelalters eindringt, die doch mit ihren reichen Anspielungen dem in dieser Literatur Ungeübten sehr leicht Fallstricke legen, und wie er dieselben ebenso treu wie faßlich wiederzugeben weiß. Ein Beispiel bietet uns seine Uebersetzung des Gedichtes von Joseph Esobi: die silberne Schüssel (1512), wobei uns noch der Vergleich mit zwei Autoritäten auf dem rabbinischen Gebiete, dem ein halbes Jahrhundert nach ihm (1561) dasselbe Gedicht mit Uebersetzung veröffentlichenden Mereerus und dem mehr als zwei Jahrhunderte später (1733) deren Arbeiten reproducirenden und mit eignen Bemerkungen begleitenden Wolf, an die Hand gegeben ist. Schon Wolf sagt, daß Reuchlin's Uebersetzung die des Mereerus an Klarheit und Verständlichkeit weit übertrifft, ohne darum die Treue zu opfern, daß Beide nicht immer in Auffassung des Sinnes ganz glücklich find, an wenigen Stellen Mereerus Wohl das Richtigere bietet, aber ebenso hat manchmal Reuchlin Richtigeres, und dem guten Wolf, dem doch eine so reiche hebräische Literatur zu Gebote gestanden, ist es nicht minder widerfahren — abgesehen von seinen sonst begangenen Mißgriffen —, daß er in diesem Gedichte nicht blos die von seinen Vorgängern verkannten Stellen ebensowenig richtig zu deuten wußte, sondern auch daß er selbst mißverstand, was ihnen oder einem von ihnen klar war oder doch ihre Mißverständnisse noch überbot. Also nicht die kleinen Jrrthümer N.'s können uns befremden, vielmehr setzt es uns in anerkennende Verwunderung, daß dieselben in so geringem Verhältnisse erscheinen 2). ף Selbst in der S. 112, Anm. 2 angeführten Stelle finde ich nicht, daß R. ״Kimchi's Ausdruck nicht verstanden oder in seine Worte einen falschen Sinn gelegt habe." R. sagt über אכפזל, David Kimchi berichte, die alten Lehrer sagten, es sei eine Art milvus, und in der That theilt K. die Angabe mit, es sei die zornige ליה, wo die Bezeichnung der ״zornigen" aus etymologischer Vermuthung stammt, das Wesentlichste aber immer bleibt, daß es eine Art להל sei, welches Wort die Vulg. mit milvus wiedergiebt. 2) Die Worte Wolfis über das Verhältniß zwischen R. und M. befinden sich in seiner ״hebräischen Bibliothek" IV. S. 1164, seine Berichtigungen in dem vorangehenden Abdrucke des Gedichtes nebst Uebersetzung. In dem Buche: Johann Reuchlin re. S. 140 ist zur Genüge darüber Auskunft ge-

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.