Mannheim
Compact Memory

Jüdische Zeitschrift für Wissenschaft und Leben · 1870-01-01 · 4 (1870) · p. Seite 247

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Jüdische Zeitschrift für Wissenschaft und Leben
Volume
8 (1870)
Issue
4 (1870)
Date
1870-01-01
Page
Seite 247 (sequence 7)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
98% known words query
IRI
…/2420973-2421001-2421004--2513-2423606
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

No entity mentions on this page.

OCR text

I. Reuchlin und das Judenthum. 247 allem Ernste nüchterner wissenschaftlicher Forschung in dieses Studium zu versenken. Er fühlte, daß er seiner Aufgabe nicht genügte, solange er nicht selbstständig die Quellen verstand, sie vollkommen beherrschte; er mußte sich das Hebräische und das Rabbinische ganz zu eigen machen, und es ist ihm Dies in einem Erstaunen erregenden Grade gelungen. Er scheute es nicht, den Unterricht jüdischer Lehrer aufzunehmen, sich zu demselben zu bekennen, wie er denn dieser Lehrer, namentlich seines ersten, des Arztes Jakob ben Jehiel Loans, mit wahrer Verehrung gedenkt I. Und so hatte seine philosophisch-religiöse Richtung ihn, den strengen Gelehrten, zugleich zur innigen Liebe für die hebräische Sprache und das ganze jüdische Schriftthum erwärmt, ihm den unbefangenen Blick für die Würdigung dieser Literatur und des in derselben vertretenen, richtigeren Verständnisses der Bibel verliehen, ihm eine so hohe Meinung von der Bedeutung dieser Literatur und deren Unentbehrlichkeit für die Religion — das hieß ihm: für das Christenthum — beigebracht, daß er mit allem Ernste in den Kampf für deren Erhaltung einging, und ihm auch ein für die damalige Zeit sehr mildes und anerkennendes Urtheil über die Juden eingeflößt. Mittel- und Zielpunkt der hebräischen und jüdischen Studien war Reuchlin allerdings die Theosophie der Kabbalah. Sein erstes größeres Werk auf diesem Gebiete ist kabbalistisch: über das wunderwirkende Wort (1494), die kabbalistischen Erörterungen über die Gottesnamen und deren wunderbare Kräfte ausnehmend, sie in der altgriechischen Philosophie wiederfindend und endlich an das Wort, den Logos, im Christenthum anknüpfend; mit diesem Werke betritt der Mann in seiner Vollkraft mit aller Entschiedenheit den Weg, den er als zur ganzen Wahrheit, zum vollendeten Heile hinführend verkündet. Nach harten Prüfungen, die das Leben überhaupt wie namentlich die Hinneigung zu dieser jüdischen Wissenschaft über ihn verhängt, hält er am Abende seines Lebens mit nicht geringerer Zuversicht daran fest, und sein letztes größeres Werk ist geradezu: über die kabbalistische Wissenschaft (1517) in demselben Geiste und mit derselben Wärme wie das Werk des jugendlichen Mannesalters. ') Vgl. Johann Reuchlin re. S. 106 und 130.

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.