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Jüdische Zeitschrift für Wissenschaft und Leben · 1870-01-01 · 4 (1870) · p. Seite 245

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Journal
Jüdische Zeitschrift für Wissenschaft und Leben
Volume
8 (1870)
Issue
4 (1870)
Date
1870-01-01
Page
Seite 245 (sequence 5)
Language
German
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IRI
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I. Reuchlin und das Judenthum. 245 Geistern bekämpft wurde, und dennoch die unseligsten Verwirrungen erzeugte, gerade an diesen Auswuchs des Judenthums, an dem freilich auch viele edlere Geister unter den Juden sich lebhaft betheiligten, Erkräftigung und Erleuchtung zu schöpfen glaubten, an ihn knüpfte sich auch die Hinneigung zum Judenthum, die erste Sorgfalt für Bewahrung seines Schriftthums, für die Wissenschaftliche Vorbereitung zur Erlangung von dessen Verständniß. Dieser Afterwissenschaft hing auch Reuchlin mit voller Seele an, als ihr Jünger liebte er vorzugsweise das Hebräische, die Nabbinen mit all ihren Werken, oder es verhüllte sich ihm seine nüchterne Anerkennung jener reichen Schätze unter dem glänzenden Blendwerke einer Mystik, der er huldigte, vor der er verehrend das Knie beugte, der Kabbalah. Mit dem Wendepunkte, den wir beim Beginn dieser Betrachtung bezeichnet haben, mit dem Eintritte des dreizehnten Jahr- Hunderts war auch im Judenthum die Kraft der frei angeeigneten und selbstständig erweiterten arabischen Wissenschaft ermattet, die philosophischen und exegetischen Resultate waren zu festen Satzungen, zu verdumpften Würzen geworden, man nagte nur noch an den trockenen Knochen, an den schalen Gerichten herum. Was von philosophischem Geiste, von Wärme des Herzens geblieben, rettete sich in mystische Versenkung, die früher leise Anfänge nunmehr weit und kunstvoll ausarbeitete. Unter dem faltenreichen Mantel nebel- Hafter Geistesverzückung fanden alle Ueberreste philosophischer Gedankenentwickelung Raum genug, um dort in seltsamer Mischung sich in einander zu verschlingen, die im Judenthum an kein vernunftwidriges Mysterium und an keine enge Dogmatik gebundene Phantasie konnte die mannichfachen überkommenen Philosopheme mit dem Schleier des Geheimnißvollen verklären, und weithinschweifend erhob die Symbolik und die Jneinanderverschlingung des Neusterlichsten mit der innerlich den Menschen wie die Welt bewegenden geistigen Kraft das Alltägliche und Einfachste zum Ausdrucke Weltschaffender und weltgestaltender Gedanken. In dieses bunte Allerlei, das in prunkender Unklarheit imponirte und doch so unbestimmt blieb, konnte ein jeder Einzelne die Eigenartigkeit seiner Gefühls- und Anschauungsweise hineintragen und glaubte so was er hineingelegt, von dort in erhöhter Weihe zu empfangen. -- So kam es dahin, daß eine Richtung, welche, wie der klarblickende Leon da Modena sagte, weder Weisheit noch Ueberlieferung war,

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