Jüdische Zeitschrift für Wissenschaft und Leben
- Journal
- Jüdische Zeitschrift für Wissenschaft und Leben
- Volume
- 7 (1869)
- Issue
- 4 (1869)
- Date
- 1869-01-01
- Page
- Seite 311 (sequence 71)
- Language
- German
- Belongs to
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Lagarde. 311 blos in ihrer Unfähigkeit suchte, ganz vernachlässigt. Das richtigere Verständniß über sie wird jedoch ihren Werth genauer feststellen. Der Text, den wir aus ihnen erschließen dürfen, wird uns oft bedeutsame Winke geben über den ursprünglichen Wortlaut, selbst wenn sie oder schon die ihnen vorliegenden Exemplare ihn zu verlassen sich veranlaßt gesehen haben; für die Geschichte des Textes und der Auffassung desselben bleiben sie jedenfalls die wichtigsten Zeugen. — Nun aber tritt hier wieder eine neue Schwierigkeit in den Weg. Auch die uns überlieferten Uebersetzungen sind vielfach entstellt, bald durch Unwissenheit bald durch Willkür der Abschreiber, und auch bei ihnen müssen wiederum alle Hülfsmittel ausgesucht werden, um wenigstens annähernd uns die Gestalt herzustellen, in welcher sie aus der Hand der Uebersetzer hervorgegangen sind. Gerade bei der wichtigsten, weil ältesten, nämlich der griechischen Uebersetzung der 70 treffen alle die Umstände in reichem Maße zusammen, welche ihre fruchtbare Benützung so sehr erschweren. Beschränken wir unsere Betrachtung nur auf ihren eigenen Text, und lassen wir die Untersuchung über die Beschaffenheit des Originals, das ihnen Vorgelegen, und den Charakter ihrer Uebersetzung unberücksichtigt, so verwirrt uns die Verunstaltung dieser viel gebrauchten und viel umgemodelten Uebersetzung in hohem Grade. Zahlreich sind zwar die Hülfsmittel, die uns für ihre Feststellung dargeboten werden; aber fast ist auch dieser Reichthum erdrückend. Die große Menge von Handschriften erschwert zuweilen mehr das Resultat, als daß sie es erleichterte, und neben den ältesten guten Handschriften verlangen doch auch die alten Tochter- Übersetzungen und Kirchenschriftsteller, die eben so hoch oder noch höher hinaufreichen, eine nicht minder große maßgebende Beachtung. So werden Zeugnisse, wie sie uns z. B. in der von Origenes veranstalteten Hexapla, aus welcher die Siebziger-Uebersetzung griechisch in Bruchstücken, syrisch fast vollständig aufbewahrt geblieben, in der alten lateinischen Uebersetzung, der Jtala, in den Werken des Hieronymus vorliegen, gewiß auch neben einem Sinai- Codex nicht ganz und gar verschwinden dürfen.*) Ein jeder *) Es ist daher kindisch, wenn neuerdings die Lesart ‘Iegoßadl in Hosea 10, 14, welche von der syrischen Hexapla, der Jtala, Hieronymus, auch von Esräm bezeugt wird, mit zornigem Ungestüm abgewehrt wird, weil neben ihr auch die Lesart 'legoßdap ihre gute Begründung hat, während doch diese wie unser אלבאל zeigt, nur aus jener abgeleitet sein kann.