Jüdische Zeitschrift für Wissenschaft und Leben
- Journal
- Jüdische Zeitschrift für Wissenschaft und Leben
- Volume
- 7 (1869)
- Issue
- 4 (1869)
- Date
- 1869-01-01
- Page
- Seite 310 (sequence 70)
- Language
- German
- Belongs to
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310 Recensionen. 2. Genesis graeoe. E fide editionis Sixtinae addita scripturae discrepantia 6 libris manu scriptis a 86 ipso conlatis et editionibus Complutensi et Aldina accuratissime enotata edidit Paulus Antonius de La gar de. Leipzig 1868, 24 und 211 S. 8. Dazu als Anhang: 3. Hieronymi quaestiones Iiebraicae in libro Geneseos e recognitione Pauli de Lagarde. VIII und 72 S. Die alten Uebersetzungen und Commentare zur Bibel sind bei dem gänzlichen Mangel an hoch hinaufreichenden Handschriften des Textes selbst sehr wichtige Zeugen für die ältere, wenn auch nicht ursprüngliche, Beschaffenheit dieses Bibeltextes. Man hat sie eine Zeit lang überschätzt und mit wahrer Hast nach der Lesart, die man bei ihnen gefunden zu haben glaubte, den reeipirten Text corrigirt. Man erwog erstens nicht, daß die alten Bibelexemplare zur Zeit namentlich der ältesten Uebersetzungen nicht mit der später angewendeten Sorgfalt angefertigt waren, daß damals willkürliche Aenderungen nach sachlichen und sprachlichen Annahmen sehr stark eingedrungen waren, solche von dem ursprünglichen Texte abweichende Exemplare den Uebersetzern Vorgelegen haben und von ihnen wiedergegeben worden. Man hatte zweitens nicht beachtet, daß die Uebersetzer, namentlich die ältesten griechischen, nicht sprachkundig genug waren, um schwierige Stellen richtig zu verstehen, daher oft nur den Sinn errathen und ihn so in ihre Uebersetzung ausgenommen haben, sich selbst bei leichtfaßlichen Stellen zu seltsamen Jrrthümern verleiten ließen, und es wäre kindisch, wenn wir unsere fortgeschrittene Sprach- und Sachkenntniß unter die Botmäßigkeit ihrer mißglückten Erklärungsversuche bringen wollten. Man verkannte endlich drittens, daß die Uebersetzer ihre Arbeit unter dem beherrschenden Einflüsse von Zeitansichten vorgenommen und diesen den Inhalt der Schrift geflissentlich anzupassen versuchten, den natürlichen Sinn, wenn er ihnen auch vollkommen zugänglich war, absichtlich verließen und umdeuteten, so daß man aus ihrer Uebersetzung nur ihre Absicht, nicht aber den ihnen vorliegenden Text erkennen kann. Diese richtigere Würdigung der alten Uebersetzungen, namentlich nach dem ersten und dritten Umstande hin, ist erst in unserer Zeit zum vollen Bewußtsein gekommen; dennoch war man schon früher durch die Erkenntniß von den Mißständen, zu welchen man unter ihrer Anleitung gelangt war, in dem großen Vertrauen zu ihnen erschüttert worden und hat sie dann, weil man ihre Schwächen