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Jüdische Zeitschrift für Wissenschaft und Leben · 1869-01-01 · 4 (1869) · p. Seite 306

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Journal
Jüdische Zeitschrift für Wissenschaft und Leben
Volume
7 (1869)
Issue
4 (1869)
Date
1869-01-01
Page
Seite 306 (sequence 66)
Language
German
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306 IY. Ludwig Geiger. Zeugen dafür an. ג) Will man das Zeugniß für lügenhaft erklären, so wäre man berechtigt, ebensogut jedem andern historischen Faktum seinen Glauben zu versagen. Aber ׳unser Zeugniß wird ausdrücklich noch bestätigt durch die Urkunde des Dachauer Raths, daß ״Pfefferkorn kaynerley diepstal und begrehffung der und ander thet wie berurt von niemantz überwunden worden", durch das Leumundszeugniß des Nürnberger Raths, das oben erwähnt wurde. * 2) Die Motive zu seinem Auftreten gegen die Juden hat man in seiner Geldgier gesucht. Die Juden sollten zu ihm kommen und ihm Geld anbieten, um dadurch die Erlaubniß auszuwirken, ihre Bücher behalten zu dürfen 3) Diese Beschuldigung scheint ungerechtfertigt zu sein. Einmal hat Pfefferkorn selbst an vielen Stellen sich davon zu reinigen gesucht. In seinem Briefe an Geistliche und Weltliche 4) spricht er von den Verfolgungen, die die Juden jetzt-(Anfang 1510) gegen ihn anstellten, die nur eine Folge davon seien, daß ״ich mich von innen nit haben lassen bekeren, und ire Worte vernicht, und ire gaben veracht", und in seinem Handspiegel (E 413) bemerkt er, daß die Juden, wenn man sie auf ihr Gewissen fragen würde, eingestehen müßten: ״wir haben an Pfefferkorn mit gelt unnd geschennck vil mal gesetzt, die er alle mal veracht und vernicht hat, und kein genade die mir an ime erlangen mögen." Andererseits müssen wir einfach die Lage der Dinge bedenken. Es ist ganz natürlich, daß die Juden, als das kaiserliche Mandat an sie erging, unweigerlich ihre Bücher auszuliefern, zu allen Mitteln der List und Schlauheit greifen mußten, da ihnen die Wege der Gewalt nicht offen standen. Was ist erklärlicher, als daß sie ihre Gegner durch Geld umzustimmen versucht haben sollten, was ihnen früher bei Plänen sie zu vertreiben oder ihnen ihr Hab und Gut zu nehmen, so oft gelungen war. Wäre Pfeff. nun wirklich der schmuzige, gemeine, ehr- und Habsüchtige Mensch gewesen, wie ihn seine Gegner schildern, so könnte man sich gar keinen Grund denken, warum er diese Gaben und 1j Pepericorni defensio N. 2. Grätz IX, 75 hat den Sinn der Stelle durchaus verdreht. 2) o. S. 296. 3) Epp. 0586. vir. II, 7, auch Reuchlin Epp. ill. vir. p. 4 b. 4) Zur Orientirung vgl. Grätz Noten S. XIII fg., der aber einen überaus schlechten Abdruck giebt.

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