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Jüdische Zeitschrift für Wissenschaft und Leben · 1869-01-01 · 4 (1869) · p. Seite 304

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Journal
Jüdische Zeitschrift für Wissenschaft und Leben
Volume
7 (1869)
Issue
4 (1869)
Date
1869-01-01
Page
Seite 304 (sequence 64)
Language
German
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304 IV. Ludwig Geiger. sein, wenn Pfefferkorn'sche Schriften nur in lateinischer Fassung existirten. Solche giebt es aber außer einer in diesem Zusammen- Hang kaum der Erwähnung werthen, ein Blatt großen durchaus nicht. Vielmehr ist Alles, was wir von sogenannten lat. Schriften Pf.'s besitzen, nur Uebersetzung ursprünglich deutsch erschienener. Solche existiren von dem Judenspiegel, Judenbeichte, Osternbuch, Judenfeind, In lob vnd eer ... dem Kahser Maximilian, zwischen 1507 und 10 erschienenen, nur gegen die Juden, ihre Gebräuche und Bücher gerichteten Schriften; von den gegen Reuchlin verfaßten Streitschriften gibt es einzig und allein von der '1516 herausgegebenen, durch das Erscheinen der Dunkelmännerbriefe veranlaßten ״Beschirmung", eine Uebersetzung oder richtiger lateinische Ueberarbeitung. Alle übrigen: Handspiegel, Brandspiegel, Sturmglock, Streitbüchlein und Eine mitleidige Klage sind nur deutsch erschienen. Schon wenn man diese einfache Thatsache ins ^Auge faßt, wird die Grundlosigkeit der Behauptung klar: was unter Pfeff.'s Namen ausgegangen sei, sei nicht von ihm, sondern habe einen der Kölner zum Verfasser. Wie würden sie, die stets lateinisch zu schreiben gewohnt waren, in diesen Schriften gerade sich bequemt haben, die deutsche Sprache anzuwenden? Doch wozu das Weitere? Hätten wir nur lateinische Schriften, so könnte von einer näheren Erörterung die Rede sein. Denn wie Pfeff. überhaupt kein Gelehrter war — prorsus idiota, wie ihn Erasmus einmal nennt, mag immerhin zu stark sein — so hat er auch kein lateinisch, das erste Erforderniß für einen Gelehrten der damaligen Zeit, verstanden. Darüber sind seine Zeitgenossen so ziemlich einig. Reuchlin spricht von ihm als dem wahnsinnigen und verderbten Menschen, dem Halbjuden zu Cöln, der in lateinischer Sprache durchaus nichts versteht *), und die Dunkelmännerbriefe bemerken, daß er nicht einmal das lateinische Alphabet kenne 2). Wenn Reuchlin aber weiter geht und behauptet^): Der taufft jud wenet, ich sei als unverschempt wie er, dan er hat latinische bücher inn seinem namen und under seinem tittel lassen Lrucken und sagt darine, er Hab sie gemacht und er kan doch kain latin," so schiebt er in seiner Heftigkeit dem Gegner Dinge unter, von denen dieser völlig freizusprechen ist, denn die lat. Schriften ג) Epp. ill. vir. v. 3 b. 2) vol. H, 7. 3) Augenspiegel 101. XXXVI a.

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