Jüdische Zeitschrift für Wissenschaft und Leben
- Journal
- Jüdische Zeitschrift für Wissenschaft und Leben
- Volume
- 7 (1869)
- Issue
- 4 (1869)
- Date
- 1869-01-01
- Page
- Seite 302 (sequence 62)
- Language
- German
- Belongs to
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302 IV. Ludwig. Geiger. Die Partei schob ihrerseits Pfefferkorn vor. Dies giebt uns Veranlassung, einen Augenblick bei diesem Verhältniß Pfefferkorns und der Kölner stehen zu bleiben. Wieso Pf. in Beziehungen zu ihnen kam, wissen wir nicht. Freunde der Juden sind die Domininikaner Wohl nie gewesen, daß sie besondere Feinde derselben waren, ist auch nicht bekannt. Sie haßten dieselben, wie damals in Deutschland Jeder, wie der h. Hieronymus es gelehrt und selbst Reuchlin als williger Schüler es ausgenommen hatte. Es ist daher kein Grund vorhanden, die Dominikaner als den aktiven Theil anzunehmen, als die, die Pfefferkorn veranlaßt hätten, gegen die Juden, besonders gegen ihre Bücher, aufzutreten. Das Gegentheil ist auch ganz natürlich: Pfefferkorn hatte den Eifer eines halbgebildeten Convertiten. Wie er in seinen zahlreichen Schriften das, was frühere Judenfeinde bereits ausgesprochen hatten, wiederholte, wie er die Fürsten ermahnte, die Juden von ihrem schädlichen Wucher abzubringen, zu niedrigen Beschäftigungen anzuhalten, zum Anhören von Predigten zu zwingen, und sie schließlich, wenn sie sich nicht bekehren wollten, zu vertreiben, so kehrte als 6u6t6rum 66N860, aber als ureignes Produkt des Pfefferkornschen Geistes, immer der Rath wieder: Zuerst müssen die jüdischen Bücher, die Quelle aller Ketzerei, vernichtet werden. Pfefferkorn hat die Dominikaner veranlaßt, als Schützer und Unterstützer seines Gedankens aufzutreten. Es mochte nicht übel für sie passen: sie waren die Ketzerrichter, so weit das christliche Bekenntniß reichte, nun nahmen sie auch eine solche Macht über die Juden in Anspruch. Pf. hat den Plan, den er einmal gefaßt, von dem ersten Jahre seinesschriftstellerischen Auftretens an, 1507, bis zum Ende desselben, 1521, in einer großen Anzahl von Schriften ausgesprochen. Man hat früher allgemein behauptet, und man behauptet auch jetzt noch — am ausführlichsten, aber mit den ungenügendsten Gründen ist zuletzt diese Ansicht von Grätz vertheidigt worden — daß die Schriften, die unter Pfefferkorns Namen ausgegangen sind, nicht von ihm selbst herrühren, daß die Dominikaner ihn als ihr Werkzeug betrachteten, seinen Namen als Aushängeschild brauchten, unter dem sie Alles vorbrachten, was sie gegen Reuchlin, gegen die Humanisten, gegen die Juden zu sagen hatten. Dazu hat man, wie mir scheint, kein Recht gehabt. Ortuin Gratius veranstaltete eine Sammlung von Gutachten gegen den Augenspiegel, seinen Namen zeigen die I^mentat10n68 0d8eur0rum viro-