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Jüdische Zeitschrift für Wissenschaft und Leben · 1869-01-01 · 4 (1869) · p. Seite 290

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Journal
Jüdische Zeitschrift für Wissenschaft und Leben
Volume
7 (1869)
Issue
4 (1869)
Date
1869-01-01
Page
Seite 290 (sequence 50)
Language
German
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290 III. Der Stamm Benjamin. und das ist eben die einsichtsvolle kritische Entdeckung, welche in neuerer Zeit gemacht worden *) — in einer Darstellung aus jener Zeit mit aller Gehässigkeit hervor. In der Geschichte über ״das Kebsweib in Gibea", welche dem Buche der Richter angehängt ist (Cap. 19 ff.), wird der Stamm Benjamin als entmenscht, als aller Bundestreue spottend, als von Rechts wegen dem Verderben geweiht dargestellt, und auch dessen Anhänger, die Jabesch-Gileaditen, welche einst die Leichen Sauls und der Seinigen ehrenvoll bestatteten, werden mit dem Brandmal des Bundesbruches belegt. Je mehr jedoch Ephraim nach Außen an Kraft und Ansehen Einbuße erlitt , nach Innen sich auflöste und seinem Berufe untreu wurde, umsomehr bewährte Juda, das sich im Gegentheil zu immer strafferer und kräftigerer Einheit zusammenzog und in großartigem Aufschwünge sich religiös verjüngte, seine Anziehungskraft auf die Stämme, welche nach Rettung ausschauten, zumal auf den nächsten Nachbar Benjamin. Von nun an — vielleicht beginnt diese Periode mit Aßa, von dem berichtet wird (15, 22), daß er Gibea Benjamin's wieder cherstellte — schließt sich Bensamin an Juda an, das Bündniß wird immer enger, die alte Feindschaft entschwinbet der Erinnerung, 2nan betrachtet sich als von jeher treu verbünder, und als Ephraims Reich fällt, erhält sich Benjamin als geeint mit Juda. Auch das Reich Juda, das Benjamin einschloß, unterliegt der Uebermacht der Babylonier, sie wandern zusammen in's Exil und kehren auch von dort gemeinsam zurück. Wiederum bilden sie eine geschlossene Einheit und weisen die Ueberreste aus dem Reiche Ephraim, die sich ihnen anschließen wollen, hartnäckig zurück. Die neu gestalteten Zustände lassen auch die alte Zeit in anderem Lichte erscheinen, und namentlich faßt der Chronist die ganze alte Geschichte nach seinen, der damaligen Zeit angehörigen Anschauungen auf und stellt sie also dar. So verlegt er denn auch den engen Anschluß Benjamin's an Juda in noch weit frühere Zeit als selbst die Vers, der Bücher Samuel und Könige. Er läßt noch bei Lebzeiten Saul's, als David noch zu Ziklag sich vor Saul zurückge-' *) Vgl. F. Lt. in der ״Gegenwart", Berlin 1867 N. 28 und 29. Neuerdings hat ®übemann ganz stillschweigend diese Ansicht reproducirt im Augusthefte der Grätschen Monatsschrift, vgl. ״Neuzeit" N. 34: Zusarnmenlrefsen oder — Plagiat?

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