Jüdische Zeitschrift für Wissenschaft und Leben
- Journal
- Jüdische Zeitschrift für Wissenschaft und Leben
- Volume
- 7 (1869)
- Issue
- 4 (1869)
- Date
- 1869-01-01
- Page
- Seite 289 (sequence 49)
- Language
- German
- Belongs to
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III. Der Stamm Benjamin. 289 gezwungen, sich ernstlich für den Einen oder den Andern zu erklären. Hören wir auf die Berichte der offiziellen Geschichtsschreiber, fo hatte Benjamin, sobald die Theilung eingetreten, sich aufs Engste an Juda angeschlossen (1 Kön. 12, 21 und sonst) und blieb ihm unverbrüchlich anhänglich. Ist jedoch eine so plötzliche Umwandlung der Gesinnung denkbar? Sollte die Heimtücke Salomo's, mit der er das blutige^ Vermächtniß David's gegen Sime'i ben Gera vollzogen (1 Kön. 2, 8 f. 3, 36 ff.), wirklich so schnell in dessen Stamme sich aus der Erinnerung verwischt haben? Wir halten es dem natürlichen Gange der Ereignisse weit entsprechender anzunehmen, daß Benjamin Anfangs zum Reiche Ephraim gehalten habe, und erst allmälig, als dieses dem Zerfalle immer mehr entgegen ging, während Juda sich consolidirte, zu diesem übertrat. In der That scheint auch der Prophet Hosea (5, 5 ff) Benjamin als Vorhut Ephraims zu betrachten und es nicht mit Juda, das freilich ״die Gränzen zu verrücken" gelüstete, vereint zu kennen. Auch der Sänger des Ps. 80, der blos vom Reiche Josephs spricht (V. 2), nennt Benjamin zwischen Ephraim und Manasse (V. 3).*) Freilich die späteren Erzähler, welche im Interesse Juda's schrieben, zogen es vor, das nun mit Juda engvereinte Benjamin als alten treuen Bundesgenossen zu schildern, die alten Kämpfe zu verschütten, vielmehr einen ewigen Frieden rückwärts zu schließen. Wenn Dies dem Interesse späterer Zustände entsprach, so war diese Stimmung in Juda, so lange Benjamin entweder als offenen Gegner oder als unzuverlässig Schwankenden sich bewies, gewiß nicht vorherrschend, vielmehr mußte der Groll gerade gegen den nächsten Gränznachbar um so bitterer sein. Und dieser bricht — *) Es mag auch sein, daß selbst unser Geschichtsbuch der Könige ursprünglich Benjamin nicht als mit Juda alsbald verbunden erwähnt hat und erst eine spätere Umarbeitung es eingeschoben; eine Andeutung dafür giebt der Vers 12, 20, welcher deutlich aussagt: ״dem Hanse David hing nur der Stamm Inda allein an ', ohne Benjamin's zu gedenken, gerade an einer Stelle, wo es aus eine genaue Angabe sehr ankam. Wirklich hinderte den Chronisten diese Abgränzung Juda's auf sich allein mit Ausschließung Benjamin's, und er läßt den ganzen Vers zurück, während er an dem unbestimmteren Ausdrucke in V. 17, der jedoch von demselben Standpunkte auszusassen ist, keinen Anstoß nimmt und ihn wiedergiebt. Auch die 70 fühlen den Widerspruch und holen ohne Werteres nach, was die Umarbeitung unterlassen hatte, indem sie in V. 20 die Worte ״und Benjamin" einsügen, hingegen V. 17 unübersetzt lassen. Vierteltahresschnft VII. 4. 19