Jüdische Zeitschrift für Wissenschaft und Leben
- Journal
- Jüdische Zeitschrift für Wissenschaft und Leben
- Volume
- 7 (1869)
- Issue
- 4 (1869)
- Date
- 1869-01-01
- Page
- Seite 288 (sequence 48)
- Language
- German
- Belongs to
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288 HI. Der Stamm Benjamin. führte ihn endlich der Verzweiflung und dem Selbstmord in die Arme. Juda gelangte zu seinem Ziele. Wohl mag mit Recht bezweifelt werden, ob die einheitliche Organisation unter . David und Salomo soweit gediehen war, wie die officielle jüdische Geschichtsschreibung sie uns darstellt. Die Aufstände, die sie uns selbst als aus Davids eigenem Hause ausbrechend berichtet, waren sicher noch mehr als bloße Familien- und Palastintriguen, es waren Partei- und Stammeskämpfe. Ephraim hatte sich gewiß nicht gutwillig untergeordnet, sich vielmehr grollend ferngehalten, bis der gelegene Zeitpunkt kam. um sich wieder emporzuschwingen. Dennoch hatte nun Juda anerkannt die Führerschaft und Benjamin mußte von der Höhe, die es eine kurze Zeit eingenommen, herabsteigen. Es that Dies nicht leichten Kaufes. Auch als Juda sich förmlich losgesagt, suchte Benjamin noch die Herrschaft über die andern Stämme festzuhalten; allein ehrgeizige Krieger, bisher die Stützen des regierenden Hauses, wandten sich verrätherisch der nun auftretenden Macht zu, List und Gewalt zertrümmerten den kümmerlichen Rest der untergehenden Macht gänzlich. Damit war jedoch das Volk Benjamin's noch nicht beruhigt, und so oft in Juda, im David'schen Hause, die Flammen der Zwietracht loderten, brach der verborgene Groll in Benjamin aus und schürte die Flamme. Das bezeugen Sime'i ben Gera und Seba ben Bichri. Die Eifersucht Ephraims lauerte schon unter David und Salomo auf eine günstige Gelegenheit, das lockere Einheitsband, das Juda mit den übrigen Stämmen umschlang, gänzlich zu lösen. Die Kriege David's, die Prachtentfaltung Salomos blendeten das Volk, gaben seiner Eitelkeit Nahrung und ließen es an Juda und seinem Königshause festhalten, wenn auch hie und da sich Unzufriedenheit über den Steuerdruck an Gut und Blut regte. Allein nach Salomo's Tode brach dieser Unmuth in Hellen Flammen des Aufruhrs aus, und der knabenhafte Trotz von Salomo's Sohne führte zu gänzlichem dauerndem Abfalle. Ephraim trat wieder an die Spitze der Stämme, Juda war auf sich selbst beschränkt. Auf wessen Seite war nun Benjamin getreten? Seine Lage war, sobald die beiden gegen einander in Kampf geriethen — und solcher war zwischen ihnen lange Zeit dauernd, offen oder heimlich — sehr schwierig; als der in der Mitte liegende Stamm, war es alsbald dem ersten Anpralle des Gegners ausgesetzt, es war