Jüdische Zeitschrift für Wissenschaft und Leben
- Journal
- Jüdische Zeitschrift für Wissenschaft und Leben
- Volume
- 7 (1869)
- Issue
- 4 (1869)
- Date
- 1869-01-01
- Page
- Seite 278 (sequence 38)
- Language
- German
- Belongs to
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278 I Plan zu״ einem ueuen Gebetbuche. sem Zeiträume auch mit verlesen wird), so hat man sich damit der Pflicht dieses Gebotes entledigt." Vielleicht, meint er dann, sei der Brauch, den Abschnitt am Sabbath vor Purim zu lesen, aus Anlaß dieses Gebotes eingeführt worden, dem Gebote selbst wird jedoch auch dann vollkommen genügt, wenn der Abschnitt nur an dem Sabbathe, an dem ihn ohnedies die Reihe trifft, und sei Dies auch erst alle drei Jahre, öffentlich verlesen wird. Erst ein gedankenloser Rabbinismus kam auf den Einfall, aus dem Vorlesen des Abschnitts Sachor an dem Sabbathe vor Purim ein biblisches Gebot machen zu wollen, aber selbst Abraham Gumbinner, der die Discussion resumirt (Magen Abraham zu Schulchan aruch, Orach Chajim § 685), sagt mit verständigem Sinne: ״es ist ja keineswegs biblisch vorgeschrieben, daß man gerade an diesem bestimmten Sabbathe den Abschnitt verlese, er ist nur später für diesen Sabbath angeordnet worden, weil derselbe dem Purim sich anschließt und so das Thun Amalek's mit dem Haman's in Verbindung gebracht wird; man genügt auch dem Gebote, wenn man am Purim den Abschnitt 2 Mos. 17, 8 ff., der an dem Tage verlesen wird, mit anhört." Aus den bisherigen Untersuchungen ergiebt sich, daß selbst der engste rabbinische Standpunkt den Brauch,!am Sabbathe vor Purim den Abschnitt Sachor zu lesen, nicht zu einem biblischen Gebote erhoben hat, daß selbst er sich begnügte mit dem Verlesen desselben an irgend einem Sabbathe, was natürlich im Chklus der Abschnitte doch jedenfalls geschah, daß ein etwas freierer rabbinischer Stand- Punkt die Verlesung dieses Abschnittes überhaupt nicht zu einem biblischen Gebote macht, sondern diesem vollkommen genügt fand, wenn man dessen Inhalt irgendwie erwähnte. Es war daher eine ebenso unnöthige wie lächerliche ״sittliche Entrüstung", zu der man sich in der Leipziger ״Synode" von gewisser Seite her echauffiren zu müssen glaubte gegen den Vorschlag, die Wiederholung des Abschnittes Sachor am Sabbathe vor Purim, nachdem er wie jeder andere Abschnitt an seinem Orte verlesen wird, von nun an zu unterlassen. Gerade dieser künstlichen Entrüstung gegenüber aber war es nöthig, trotzdem in der Synode selbst schon deren Grundlosigkeit kurz berührt wurde, hier ausführlicher in einem Gange durch die verschlungenen Pfade der Casuistik entschieden entgegenzutreten.