Mannheim
Compact Memory

Jüdische Zeitschrift für Wissenschaft und Leben · 1869-01-01 · 4 (1869) · p. Seite 279

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Jüdische Zeitschrift für Wissenschaft und Leben
Volume
7 (1869)
Issue
4 (1869)
Date
1869-01-01
Page
Seite 279 (sequence 39)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
97% known words query
IRI
…/2420973-2421005-2421009--2222-2423560
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

No entity mentions on this page.

OCR text

Begründungen. 279 Erheben wir uns jedoch wieder zu dm leitenden Gedanken in der ganzen Grundlegung dieses Planes, die sich von scholastischer Casuistik, die uns hier vielleicht zu lange beschäftigt hat, nicht beengen lassen! Nach der unbefangenen Auffassung des Schriftwortes will nämlich, wie bereits angedeutet, die Ermahnung dessen zu gedenken, was Amalek gethan, nichts weiter sein als ein Aufruf an Israel, mit diesem Erbfeinde, sobald es so weit erstarkt sein wird, gründlich Abrechnung zu halten. Daß Dies keine Beziehung, keine erbauliche Nahrung mehr für unsere Zeit enthält, daß nunmehr, nachdem längst Amalek's ״Name vertilgt" wäre bis auf die letzte Spur, wenn er nicht durch die hebräische Literatur erhalten worden, die Aufforderung zu einem Kampfe mit dahingegangenen Schatten sinnlos ist, ist so selbstverständlich, daß es unnütz wäre darüber Worte zu verlieren. Das Judenthum und seine Gemeinden sind nicht dazu da, um dem Prediger Gelegenheit zu bieten zu kunstfertigen Windungen; dem sittlichen Gefühle aber ist es Widerlich, wenn die Asche eines längst verloschenen Nationalhasses gewaltsam wieder zum Glimmen angefacht werden soll. Ein Anderes ist, einen Abschnitt aus einem alten heiligen Buche in der Reihenfolge zu lesen, wenn er auch unfern Anschauungen nicht mehr entspricht, ein Anderes, ihn außer der Reihe hervorzuheben und seinm Inhalt mit allem Nachdrucke zu betonen. Der Sabbath Sachor hat keine Berechtigung mehr. 6. Dasselbe gilt von dem Sabbathe Parah. Daß derselbe nicht etwa auch zum biblischen Gebote gestempelt worden, dafür lasten wir einfach Abraham Gumbinner (a. a. D.) einstehn. Der Zweck war lediglich, vor dem Eintritte des Peßachfestes in Erinnerung zu bringen, daß von dem Peßachlamme nur ein ״Reiner" genießen dürfe, und da Wohl der größte Theil durch Beschäftigung mit Todten oder durch das Weilen in deren Umkreise ״unrein" geworden, das Reinigungsmittel, nämlich die Asche von der rothen Kuh nach der Vorschrift 4 Mos. 19, in Anwendung gebracht werden müsse. Die Zärtlichkeit für solche längst obsolete Dinge ist unnöthig zu bestreiten. ä. Unschuldiger ist der vierte Sabbath Hachodesch; aber auch Abschnitt 2 Mos. 12, 1—20 bezieht sich vorzugsweise auf das Peßachlamm und hat keinen Werth mehr für unsere Zeit. Den Gottesdienst von Dingen zu befreien, welche Aufmerksam-

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.