Jüdische Zeitschrift für Wissenschaft und Leben
- Journal
- Jüdische Zeitschrift für Wissenschaft und Leben
- Volume
- 7 (1869)
- Issue
- 4 (1869)
- Date
- 1869-01-01
- Page
- Seite 275 (sequence 35)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 95% known words query
- IRI
…/2420973-2421005-2421009--2218-2423556- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
Mentioned entities
OCR text
Begründungen. 275 habe , diesen Erbfeind unschädlich zu machen. Allein solche nüchlerne Erfassung des Schriftinhaltes war den Rabbinen, sobald sie in gesetzliche Discussionen eingingen, nicht möglich; sie konnten da und wollten nichts anders sein als Jünger des Thalmud, die ehrerbietig dessen Worte, wie sie an den verschiedenartigen Stellen zerstreut waren, aufsuchten und dessen Deutungsverfahren, nicht wagend es mit kritischem Blicke zu betrachten, sich gehorsam;unterordneten. Nur wie ein rascher Blitz durchzuckte es zuweilen manchen trefflichen Geist und trat eine vorübergehende Helle Beleuchtung des ganzen Gebietes ein; doch bald legte sich die elektrische Spannung, das Dunkel umzog wieder den Gesichtskreis und man ging weiter in den gewohnten Geleisen. Das gewahren wir recht deutlich bei Nachmanides, der oft mit dem gesundesten Urtheile das Gewölke durchdringt, Blitze geistesheller Kritik in dasselbe wirft und sich dann doch wieder demüthig zurückzieht, in scheuer Ehrfurcht unter das Wort der Alten sich beugt und, um dem innern Drängen zu genügen, sich in sich mystisch versenkt. Genug, auch Nachmanides hält daran fest, daß es ein biblisches Gebot sei, das Begegniß mit Amalek durch mündliche Erwähnung in frischer Erinnerung zu erhalten, aber dieselbe Geltung legt er der Erinnerung an die Begebenheit mit Miriam bei. Es ist nun selbstverstündlich, daß bei der Gleichstellung dieser beiden ״Gedenkermahnungen" als biblischer Gebote die an Amalek ebensowenig eine jährliche Vorlesung des von ihr handelnden Abschnittes verlangt wie die an Miriam. Das Gebot, Amalek's zu gedenken, hat auch auf diesem Standpunkte durchaus keinenZusammen- Hang mit der Einrichtung, am Sabbathe vor Purim den Abschnitt Sachor zu lesen; diese Einrichtung ist vielmehr lediglich eine spätere Anordnung als Vorbereitung zum Purimfeste, gerade wie Schekalim eine staatswirthschaftliche Maßnähme und die beiden andern Vorlesungen, Parah und Hachodesch, Vorbereitungen zum Peßachfeste sind, sie ist aber keineswegs, auch nach thalmudischer Auffassung, eine biblische Satzung. Ausdrücklich belehrt uns Nachm, darüber (an der zuletzt angef. St. des Pentat.-Comm.), wo seine Worte lauten: ״Ich weiß nicht, was diese mündliche Erwähnung aussagen will. Sollte Dies etwa bedeuten, daß es eine Pflicht sei, den Abschnitt von Amalek öffentlich zu verlesen? sollte daraus entnommen werden, daß es biblisch feststehe, am Sabbathe vor Purim das Sachor 18»