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Jüdische Zeitschrift für Wissenschaft und Leben · 1869-01-01 · 4 (1869) · p. Seite 268

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Journal
Jüdische Zeitschrift für Wissenschaft und Leben
Volume
7 (1869)
Issue
4 (1869)
Date
1869-01-01
Page
Seite 268 (sequence 28)
Language
German
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268 I. Plan zu einem neuen Gebetbuche. kömmlicher Weise beizubehalten haben, trotzdem daß sie für sie zur ״Lüge und Thorheit" geworden, nach welcher Zeitfeststellung sie ferner sich zu richten haben, ob nach der palästinischen oder nach der babylonischen, darüber ist Maim. still und ihm folgen die Späteren, d. h. sie lassen es bei der nun einmal üblichen Form, wenn sie auch der Beschaffenheit des Landes gänzlich widersprach, und zwar richtete man sich nicht nach der von der Mischnah festgehaltenen alten palästinischen Bestimmung, die Bitte mit dem 7. Marcheschwan zu beginnen, sondern nach der babylonischen, sie 60 Tage nach der Thekufah eintreten zu lassen. Die babylonische Sitte war nun einmal durch den beherrschenden Einfluß, welchen die bab. Gemara und die dort residirenden Geonim gewonnen halten, überallhin maßgebend geworden, und so wurde seltsamer Weise ein babylonischer Brauch, der nicht auf einem gesetzlichen Urtheil beruhte, sondern lediglich in den dortigen eigentümlichen klimatischen Verhältnissen wurzelte, gleichfalls nach allen Ländern hingetragen. Es blieb feststehend, daß man in Palästina zwar nach wie vor. die Bitte mit dem 7. Marcheschwan im neunten Spruche beginne, überall sonst aber gleich wie in Babylonien mit dem 60. Tage nach der Thekufah; es war zwar solchen Gegenden, deren Regenbedürfniß zu anderm Zeitpunkte eintrat, gestattet, im 15. (16.) Spruche noch außerdem eine Privatbitte auszusprechen, aber auch diese gelangte nicht zu allgemeiner Geltung. Gegen diesen sinnlosen Gebrauch, der das Gebet zur ״Lüge und Thorheit" macht, erhob nun einen entschiedenen und dennoch schüchternen Protest ein Mann, der sonst der eifrigste Anhänger der babylonischen Gemara war, dennoch hier seinem gesunden Sinne kein Schweigen gebieten konnte. Ascher ben Jechiel (am Anfänge des 14. Jahrh.) — er ist dieser Mann — hatte nämlich auf seinen mannichfachen Wanderungen von Deutschland, wo er geboren und erzogen, über Savoyen und das südliche Frankreich nach Spanien, wohin er geflüchtet war, die Verschiedenheit der Länder in klimatischer Beziehung kennen gelernt. Es ist ihm daher unbegreiflich, wie man in einer von der Bodenbeschaffenheit abhängigen Angelegenheit den Babyloniern folgen könne, die zwar Nachachtung verdienten, wo es sich um gesetzliche Entscheidungen handle, jedoch nicht wo sie blos ihre provinzielle Eigenthümlichkeit für sich zur Geltung brachten. Nun habe man in Deutschland Regen viel früher nöthig als zu der von den Babyloniern angesetzten Zeit, und so wäre es weit zweckmäßiger die Bitte nach dem palästinischen Brauche zu beginnen.

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