Jüdische Zeitschrift für Wissenschaft und Leben
- Journal
- Jüdische Zeitschrift für Wissenschaft und Leben
- Volume
- 7 (1869)
- Issue
- 4 (1869)
- Date
- 1869-01-01
- Page
- Seite 264 (sequence 24)
- Language
- German
- Belongs to
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264 I. Plan zu einem neuen Gebetbuche. ד!חבלח, die Tage der Sonne, für die Herbst- und Winterzeit ימות דלמצנלים, die Tage der Regen (M. Tohoroth 6, 7) oder schlechtweg nnnn und דזגעגנלים ohne יבלות (Khilajim 9, 5. 6. Ma'sheroth 3, 7. Nedarim 8, 5), wie diese Ausdrucksweise sich schon im Spätbiblischen zeigt (Esra 10, 9. 13, vgl. 3 Mos. 26, 4.*) Ezech. 34, 26). Daher nun kommt es, daß die alten Anordner^der Liturgie sowohl das Lob Gottes, daß er ״die Regen" sendet, als auch die Bitte um dieselben nicht ständig aufnehmen, sondern sie auf die Zeit, in welcher dieselben heilsam sind, beschränken. Diese Zeit wird anderswo näher bestimmt, und zwar im ersten Abschnitte des Tractats Tha^anioth, und schwanken da die Gränzen unter den einzelnen Lehrern. Der Eine will mit der Lobesformel schon am ersten Tage des Hüttenfestes begonnen wissen, Andere erst mit dessen letztem Tage (das. 1 und 2), und so werden sie bis *) Ich will hier nicht auf bibelkritische Untersuchungen abschweifen, doch jedenfalls muß festgestellt werden, daß ״ ,געונליכםeure Regen", nichts Anderes bedeutet, als die in eurem Lande, Palästina, in der Herbst- und Winterzeit nothwendigen und in den regelrechten Jahren auch eintreffenden Regengüsse. So versteht das Wort auch richtig Sifra z. St., indem er es mit דביעדות wiedergiebt, und dies bedeutet, wie es in unzähligen Stellen der Mischnah vorkommt, die ״Befruchtungen", die drei Perioden der Regenzeit, von denen die mittlere die eigentliche Zeit der starken Regengüsse umfaßt, während die beiden andern milder sind, indem die erste den Frühregen, die letzte den Spätregen bringt. Die babyl. Gemara liefert da jedoch wieder ein schönes Pröbchen von Verkennung und daraus erzeugter Verunstaltung. In Sifra sind nämlich (vgl. namentlich die Relation, wie sie bei Ialkut wredergegeben ist) neben der angegebenen einzig richtigen Erklärung noch einige mehr haggadische Deutungen; ein ״rechtzeitiger Regen" soll ein solcher heißen, der am Sabbath- (Freitag) Abend fällt, wo Alles zu Hause weilt und nicht davon belästigt wird, wahrend man sich auch am Tage des Sabbathes selbst zu keiner Reise anschickt, oder es heiße überhaupt ein Regen während der Nacht, der die Arbeit nicht unterbricht. Durch diese uebenangestellten, aber zu der ersten Erklärung in weiter keiner Beziehung stehenden Deutungen hat sich das Mißverstandniß erzeugt, auch unter רביעיות sei etwas Aehnliches zu verstehn, also ״die vierten Tage (der Woche)", der Mittwoch, und durch diese seltsame Auffassung veranlaßt, liest gar die Gem. (Tha'an. 239.): בלילי רביעיות! Die Commentatoren wissen nun freilich für diese Rechtzeitigkeit des Regens am Mittwoch in der Nacht nichts Verständiges anzugeben, und sie müssen Dämonenfpuk aufsuchen (vgl. Raschi zur Gemara n. A. b. D. zu Sifra). Allein der Respect für die babylonische Gemara hat dennoch die richtige Erklärung verdrängt, und Raschi hat durch die Aufnahme der falschen Lesart in seinem Pentateuch-Commentar diese populär gemacht!