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Jüdische Zeitschrift für Wissenschaft und Leben · 1869-01-01 · 3 (1869) · p. Seite 234

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Journal
Jüdische Zeitschrift für Wissenschaft und Leben
Volume
7 (1869)
Issue
3 (1869)
Date
1869-01-01
Page
Seite 234 (sequence 74)
Language
German
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234 Umschau. standen, Reisen nach weiten Fernen zu unternehmen, auf unsichern Fahrzeugen den Gefahren des Meeres zu trotzen, um die Schätze der Natur in den entlegensten Gegenden auszubeuten und zu ihrem Vortheile zu verwerthen, sie konnten ihren eindringenden und gierigen Blick nicht vor einem Lande verschließen, das ihnen in unmittelbarster Nähe lag und ihre Begierde im höchsten Grade erwecken mußte. Dieses Volk mit seiner reichen natürlichen Begabung, mit dem offenen kundigen Blicke, der durch die Erfahrung, durch die vergleichende Beobachtung so vieler verschiedenartiger Länder noch geschärft wurde, wäre im Stande gewesen, uns die eingehendsten und belehrendsten Mittheilungen zu machen über die vielen Länder, die es besucht, deren Zustand und Sitten. Allein sein Sinn war wenig auf die geistigen Interessen gerichtet; ein ächtes Handelsvolk, Börsenmänner des Alterthums, eigneten sie sich auch Wissen und Kunst insoweit an als diese ihnen zur Bereicherung und zum Lebensgenusse dienten, ohne jedoch einen idealen Drang nach denselben zu verspüren, ohne daß das Verlangen in ihnen erweckt worden wäre, sich dem Erkennen als höherem Selbstzwecke hinzugeben. So haben sie kaum Zeit und Trieb in sich gefunden über sich selbst Kunde zu hinterlassen; sie brachten es nur dazu, ihre Namen überall einzugraben, sich in prunkender Eitelkeit Denkmale zu setzen und — Priestervorschriften festzustellen. Ueber fremde Länder sind sie ganz still; über ihre Schatzkammer, Aegypten, erfahren wir Nichts durch ihren Mund. Anders geartet waren andere semitische Wanderstämme, unter ihnen vorzugsweise die Hebräer. Nicht mit raschem praktischem Blicke eine vortheilhafte Lebensstellung für sich erspähend, werden sie wie von einer innern Unruhe getrieben, bis sie ihrer weltgeschichtlichen Aufgabe inne werden und dann seßhaft sich deren Vollziehung mit allem Eifer hingeben. So treten sie zuerst in die verschiedenartigsten Beziehungen zu ihren Nachbarn, bald in friedlicher Annäherung, bald in heftigem Kampfe mit wechselndem Glücke. Ein so weit vorangeschrittenes Volk wie das der Aeghpter konnte nicht ohne die vielfachste Anregung und Einwirkung auf sie bleiben, wenn auch ihre zäheste Eigenartigkeit, die sich so eigenthümlich bei ihnen mit offenster Empfänglichkeit mischte, an der ihnen fremdartigen Jndividualität hart anstieß. So sind die Hebräer von der ersten Zeit an, daß in ihnen das Stammes- oder Volksbewußtsein wach wird, in enger Berührung mit den Aegyptern, und indem sie ihrer eigenen

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