Jüdische Zeitschrift für Wissenschaft und Leben
- Journal
- Jüdische Zeitschrift für Wissenschaft und Leben
- Volume
- 7 (1869)
- Issue
- 3 (1869)
- Date
- 1869-01-01
- Page
- Seite 228 (sequence 68)
- Language
- German
- Belongs to
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2M Umschau. Riemen gebunden, verrichten sie hier lärmend ihr Gebet. Für größere Festtage haben sie ein eigenes Bethaus, wo sich die ganze Sabbathariergemeinde zu versammeln pflegt. Ein gewählter Rabbi leitet den Gottesdienst. Gebet- und Gesangbücher sind von Simon Pöcsi zusammengestellt und die Gesänge größtentheils den Unitariern entlehnt. Das ebenfalls von Pöcsi zusammengestellte Gesetzbuch enthält die 5 Bücher Mosis, handelt von der Ankunft des Messias und erklärt die gottesdienstlichen Gebräuche. Im Anhänge ist über das Wirken Pscsi's ein kurzer Bericht erstattet und die Namen seiner 12 Schüler ausgezeichnet. Dieses Gesetzbuch ist von Pscsi eigenhändig geschrieben; eine Abschrift davon besitzt zwar jeder Sabbatharier, aber das Original wird unter der Obhut des Rabbi als Bundeslade überwacht und darf von Christen nicht geehen werden. Die Kinder beschneiden sie bald nach der Geburt; am 12. Tage aber bringen sie dieselben zu dem Geistlichen, dem sie scheinbar unterstehen, zur Taufe, bei welcher sie dem Täufling immer einen alttestamentlichen Namen geben. Solch ein Gemisch von Christenthum und Judenthum ist bei allen ihren religiösen Gebräuchen wahrzunehmen. Einen Christen heirathet ein sabbatharisches Mädchen nur dann, wenn derselbe zuvor Sabbatharier wird. Der Neophht muß ein Probejahr bestehen. Wenn ihn das streng abgeschlossene Familienleben und die Ceremonien nicht abschrecken, und er einen Eid auf Geheimhaltung abgelegt, weihen sie ihn nach und nach in ihre Glaubensgeheimnisse ein. Besteht aber der Neophyt die Probe nicht, so entlassen sie ihn unter Abnahme eines schweren Eides, daß er von dem Gesehenen und Gehörten nichts verrathen Werde. Die Trauungen werden zuerst durch ihren officiellen christlichen Geistlichen verrichtet, dann aber wird zu Hause der Braut das Haar kurz abgeschnitten und die Einsegnung durch den Rabbi vollzogen, worauf erst die Ehe giltig ist. — So lange eine Leiche im Hause sich befindet, brennt zu Häupten derselben immer eine Kerze. Das Geleite zur ewigen Ruhe geschieht in tiefem Schweigen und mit stummer Trauer. Ein ihnen eigenthümlicher Glaube betrifft das Gottesurtheil über den Verstorbenen und den qualvollen Weg der Seelenwanderung. Die Sabbatharier fasten sehr viel und zwar noch mehr als die Juden. Sie fasten an jedem Mittwoch, um sich vor den bösen Geistern zu bewahren. Sie schreiben dem Fasten eine Gott ver-