Jüdische Zeitschrift für Wissenschaft und Leben
- Journal
- Jüdische Zeitschrift für Wissenschaft und Leben
- Volume
- 7 (1869)
- Issue
- 3 (1869)
- Date
- 1869-01-01
- Page
- Seite 225 (sequence 65)
- Language
- German
- Belongs to
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Bernstein. 225 erkannten in ihr wallenden einfachen Gesetze, sie wendet sich gerne wieder zu dem Menschen zurück, für den die Natur in dem Verhältnisse, welches er zu ihr einnimmt, zur edelsten Erzieherin, zur Lehrmeisterin in sittlicher Veredelung, in gemeinnütziger Kraftver- Wendung wird. So ist seine Naturbetrachtung ohne daß er fremdartige Reflexionen beimischt, immer sinnig, immer wenn ich so sagen darf, herzlich und menschlich. Ich glaube nicht, daß man fehl geht, wenn man diese Art der Behandlung der Lebens- und Wissensfragen eine jüdische nennt, und es wird beiden sehr Wohlthun, wenn auch dieses jüdische Element in ihnen zur Geltung kommt. Den ״deutschen Kalender für Jedermann aus dem Volke" läßt Bernstein, soviel ich weiß, zum ersten Male auf 1869 erscheinen. Es ist schon ein großer Gewinn, wenn solche auf die Förderung der Gesammtheit berechnete Unternehmungen des bestimmten eonfessionellen Gepräges entkleidet sind. Aber außerdem treten auch hier die oben bezeichneten Eigentümlichkeiten hervor. Die Betrachtung der Welt ist eine ethische und lehnt gern an Lehren des Judenthums, an Stellen der hebräischen Bibel an; der weltgeschichtliche Ueberblick ist frei von jedem christlichen Vorurtheil. Schon bei der Beschreibung der ״drei Hauptfeste: Ostern, Pfingsten und Weihnachten" (S. 61 f) ist die Herkunft der zwei ersteren aus dem Judenthum entschieden betont, die des letzten aus dem deutschen ״Julfeste", wobei jedoch der offenbare Zusammenhang des am 25. Dec. gefeierten Weihnachten mit dem auf den 25. Kislev treffenden jüdischen Weih- und Lichtfeste, Chanuckah, vermißt wird. — Der schöne Aufsatz: ״Etwas Statistik" (S. 73 ff) wurzelt ganz in der bezeichneten ethischen Naturbetrachtung und knüpft an 1. Mos. 1, 28 an. Der kleine aber inhaltreiche Schlußaufsatz: Ueber die Religionen der Menschen (S. 225 ff), ist von jenem erleuchteten Geiste getragen, der den Glaubenszwang abweist und die dem Menschen innewohnende höhere Natur anerkennt. Wie schön ist S. 231 f über ״die Religion der Hebräer" gesprochen! Nachdem einige prägnante allgemein menschliche Sätze aus ihr hervorgehoben worden, schließt die Betrachtung, bevor sie zum Islam übergeht, mit den Worten: ״Diese und viele andere Sätze des alten Testaments sind längst durch das Christenthum aus dem engen Kreise Palästina's in alle Länder Europa's und der von Europa aus bevölkerten Welttheile gedrungen und üben fortwährend einen bildenden und veredelnden Einfluß auf Millionen von Menschen aus. Hätte man sich mit solchen Bierteljahresschrift VII. 3. 15