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Jüdische Zeitschrift für Wissenschaft und Leben · 1869-01-01 · 3 (1869) · p. Seite 224

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Journal
Jüdische Zeitschrift für Wissenschaft und Leben
Volume
7 (1869)
Issue
3 (1869)
Date
1869-01-01
Page
Seite 224 (sequence 64)
Language
German
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224 Umschau. allgemeinsten, alle Menschen umfassenden Angelegenheiten gewidmet sind, werden sich der Einwirkung und der Bedeutung des Judenthums gern bewußt und zollen ihm freudig den Tribut inniger Anhänglichkeit. Wir haben es früher an Berthold Auerbach mit Genugthuung anerkannt (diese Ztschr. Bd. IV S. 312 f); in noch weit höherem Grade gilt Dies von A. Bernstein. Wer diesen etwa nicht aus früheren religiösen Abhandlungen, nicht als kunstsinnigen Uebersetzer des hohen Liedes, nicht als engbetheiligt bei der Gründüng und Fortbildung der Berliner Reformgemeinde kennt, der wird doch schwerlich unberührt geblieben sein von seinen jüdischen Novellen: Vögele der Maggid und Mendel Gibbor, die so tiefsinnig, so zart in das poetische Idyll des beschränkten altjüdischen Lebens einzuführen wissen und dennoch mit feinem Humor über der Geistesenge und den unschönen Mißbildungen schweben, bei aller Theilnahme an jenem alten Leben, die dem Dichter aus der Seele quillt, und die er ebenso einzuflößen versteht, durch schmerzheiteres Lächeln darüber erheben. Nicht blos die keifenden alten Weiber der ״Kreuzzeitung" greifen in ihrer zappelnden ohnmächtigen Wuth zu dem Auskunftsmittel, Bernstein als den ״Reformjuden" zu — brandmarken! er kann sich dieses ״Brandmal" sehr Wohl gefallen lassen. Auch in Freundeskreisen mag Wohl oft scherzend ׳die Bemerkung gemacht worden sein, daß in allen Arbeiten B/s, welche noch so sehr dem religiösen, zumal dem eonfessionellen Gebiete fernliegen, die Eigen- Lhümlichkeit des jüdischen Geistes sich unverkennbar auspräge. Und ich denke, B. wird diesen Ausspruch nach seiner richtigen Auffassung am Allerwenigsten abweisen; denn keine Beschränkung des Aechtmenschlichen, sondern die scharfe und reiche Ausbildung desselben soll damit ausgesagt werden. Ja, seine politischen Erörterungen sind mit dem scharfeindringenden Verstände angelegt, der das verflochtene Geäder der Zustände und der Parteistellungen zu zerlegen, bis zum innersten Grunde zu enthüllen versteht, zugleich aber mit dem vollen sittlichen Pathos des Herzens, das an diesen Erörterungen nicht das bloße Verstandesspiel liebt, nicht in dem siegreichen Erfolge seine Befriedigung findet, sondern überall nur von dem warmen Antheile an Menschenwohl und Menschenbeglückung bewegt wird. Auch seine Naturbetrachtung genügt sich nicht an der objectiven Versenkung in ihre Kräfte, an der Erklärung ihrer Erscheinungen, sie naht, wahrhaft religiös, mit Ehrerbietung zu dem

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