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Jüdische Zeitschrift für Wissenschaft und Leben · 1869-01-01 · 3 (1869) · p. Seite 222

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Journal
Jüdische Zeitschrift für Wissenschaft und Leben
Volume
7 (1869)
Issue
3 (1869)
Date
1869-01-01
Page
Seite 222 (sequence 62)
Language
German
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222 Umschau. Len des Anstandes ein bloßes Uebereinkommen der Menschen, das sehr unbeständig und ohne innere allgemein menschliche Grundlage sei. Mend. identifieirt das Wort jedoch mit מקובלות, durch Ueberlieferung, also durch göttliches Gebot Eingeführtem, das kein Vernunftgebot sei. Das widerstrebt nun sehr entschieden seiner eigenen philosophischen Lehre, wonach wie allgemeine Wahrheiten ebenso allgemein sittlich Verbindliches die Wurzel in der menschlichen Vernunft hat, während er den Kreis der Offenbarung nur auf eine die Juden allein verbindende, zum Theile auch mit ihrem Staatsleben in Zusammenhang stehende Gesetzgebung einschränkt. An Jakob theilt er nun sein Bedenken eigentlich blos als Thalmudist mit, wenn er auch die ethisch-philosophische Wärme nicht unterdrückt. Will man einen Blick in die unendliche Kluft werfen, welche die beiden Männer trennt, so lese man das uns aufbewahrte ziemlich weitläufige Fragment der Antwort Jakob's. Der ganz starre Thalmudist tritt uns entgegen, der ohne alle Spur von ethischer Erhebung blos Thalmudstellen hinu^td herwirst, Analogieen und Differenzen zwischen ihnen aufsucht, sie bald als übereinstimmend mit Maim.' Ausspruch zu finden glaubt bald als im Widerspruche, ja seine besondere Freude daran hat, in verschiedenen halachischen Angaben des Maim. selbst Widersprüche zu entdecken und zu lösen. Von solchem künstlichen Knotenschlingen und Wiederlösen sollte nun die Seligkeit aller Menschen, mit Ausnahme etwa eines kleinen Häufchens, abhängig gemacht werden! Wir bewundern die Selbstüberwindung, mit welcher M. sich solchen Größen gegenüber gefügig zu zeigen wußte, wir Preisen uns jedoch glücklich, daß wir dieses innern Kampfes überhoben sind. Freilich sind uns darum die Uebungen in der Tugend der Selbstbeschränkung nicht erspart. 31. Dec. 9. Weitere Urtheile über Isaak da Costa. Wir hatten früher (diese Zeitschr. Bd. I S. 229 ff) die Aufmerksamkeit auf den ausgezeichneten holländischen Dichter Isaak da Costa hingelenkt. Von jüdischen portugiesischen Eltern geboren, wurde er ein eifriger conservativer Christ und bewahrte doch zugleich eine tiefe Zuneigung zu dem jüdischen Stamme, dem er sich noch immer als zugehörig betrachtete. Später enthielt die A. Z. d. I. in einem interessanten, holländische jüdische Zustände besprechenden

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