Jüdische Zeitschrift für Wissenschaft und Leben
- Journal
- Jüdische Zeitschrift für Wissenschaft und Leben
- Volume
- 7 (1869)
- Issue
- 3 (1869)
- Date
- 1869-01-01
- Page
- Seite 220 (sequence 60)
- Language
- German
- Belongs to
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220 Umschau. zeugung etwas vergab, um so bewundernswerther als gerade damals die jüdische, vorzugsweise die gelehrte thalmudische Welt in zwei schroff einander entgegenstehende, sich heftig bekämpfende Parteien zerspalten war. Die Einen hielten es nämlich mit den Männern, welche der Kabbalah einen großen Einfluß einräumten und sie durch eine gewisse philosophische Vertiefung zu begründen suchten, die aber deßhalb bei den Andern im Verdachte standen, mit dem als falschen Messias verdammten Schabbathai Zebi und dessen anrüchigen Ausläufern im Zusammenhänge zu stehen. Diese Andern wagten zwar nicht mit der Kabbalah selbst zu brechen, und beargwöhnten in deren Pflege dennoch überall den hervorgetretenen ihnen so grauenvoll erscheinenden Mißbrauch. Die hier hochverehrten dort verketzerten Häupter dieser beiden Parteien waren bekanntlich Jonathan Eybenschütz und Jakob Emden. In jener Zeit eifrigsten Kampfes konnte man nur mit Einem befreundet sein und alsbald war man auch heftiger Gegner des Andern. Mend. aber stand mitBeiden in gutem Vernehmen. ZuEybenschütz hatte er ein inneres Verhältniß; die Neigung zurPhilosophie verband sie, so wenig auch M. den schwärmerischen Zug E.' in sich nährte. Bei einer persönlichen Begegnung, als M. nämlich seine Frau aus Hamburg heimführte 1761, stellte ihm der greise E. ein höchst anerkennendes Zeugniß aus (Kerem Chemed III. 224 f). Zu Jakob Emden zog ihn dessen umfaffende Gelehrsamkeit, dessen mehr nüchtern wissenschaftliche Richtung, wenn auch dem sanften Weisen der Ungestüm des unduldsamen Eiferers nicht sympathisch sein konnte. Schon längst sind Briefe bekannt, welche Jakob an M. gerichtet wegen der in Schwerin ergangenen Verordnung, die Todten nicht nach alter Sitte zu frühzeitig zu beerdigen; während man M.'s Einfluß gewinnen wollte, damit er sich — für die Aufhebung dieser Verordnung, welche man als dem Judenthum widerstrebend (!!) betrachtete, verwende, suchte dieser die Gemüther zu beruhigen und leise auf die Jrrthümlichkeit der mit dem Scheine der Frömmigkeit bekleideten Annahme hinzuweisen. I. E. trat nun wieder als rüstiger Kämpe des alten Brauches auf; er zügelte seinen Eifer gegen M., der aber doch immer auszubrechen drohte, und er konnte nicht unterlassen, M. darauf hinzuweisen, daß er darauf bedacht sein müßte, Übeln Ruf und Verdacht von sich fern zu halten, da es ihm ohnedies verargt werde, ״daß er einen bösen Hund in seinem Hause großziehe", was nichts Anderes sagen will, als daß er die Philosophie eifrig Pflege. Den-