Jüdische Zeitschrift für Wissenschaft und Leben
- Journal
- Jüdische Zeitschrift für Wissenschaft und Leben
- Volume
- 7 (1869)
- Issue
- 3 (1869)
- Date
- 1869-01-01
- Page
- Seite 219 (sequence 59)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
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Mendelssohn und Jakob Emden. 219 NS. vom 20. April. Der von Hrn. Virchow 1866 im Handwerkervereine gehaltene-Vortrag (vgl. dieseZtschr. Bd. VI. S.278) über Hospitäler und Lazarethe, ist nunmehr, — wie ich aus dem Magaz. für d. Lit. des Ausl, ersehe, — im Drucke erschienen, und Hr. Virchow konnte sich nicht überwinden, auch die folgende Stelle in demselben beizubehalten: ״Historisch ist es, daß die Juden, solange sie einen Staat bildeten, keine Hospitäler gehabt haben, weder für sich, noch weniger für Fremde, und daß sie auch in ihrer Zerstreuung einen bestimmenden Einfluß auf die Gestaltung der Krankenpflege niemals gehabt haben". Herr Dr. D. Cassel hat darauf einen ״offenen Brief eines Juden" an ihn gerichtet und ihm seine historische Unwissenheit nachgewiesen. — Es ist unglaublich, mit welcher Zähigkeit das Temonenthum, das doch, jemehr es sich zusammenraffen will, seiner Zerklüftung inne werden müßte, an seinem nationalen Vorurtheile gegen die Juden festhält; doch wäre es endlich Zeit, wenn man nicht geradezu der Lächerlichkeit verfallen will, das Mährchen von der ״christlichen Liebe", den Wettkampf zwischen dem unbeschränkten Wohlthätigkeitssinne der Juden und dem der Hinter- Pommern aufzugeben. 8. Ein Schreiben Mendelssohns an Jakob Emden. In Mendelssohn's Leben fesselt unsere Aufmerksamkeit besonders die Stellung, welche er seinen zurückgebliebenen Zeitgenossen gegenüber eingenommen, die Gewandtheit, mit welcher er den lauernden Verdacht der mißtrauischen Eiferer fernzuhalten verstand, ja mit ihnen, insofern sie sonst eine bedeutende Stellung einnahmen, einen freundlichen Verkehr unterhielt. Dies gelang ihm besonders bei den eigenen Glaubensgenossen; er bequemte sich ihnen aus kluger Vorsicht und aus pietätsvollem Streben in seinem äußern Leben möglichst an, um seinen Einfluß bei ihnen sich zu wahren, um so sicherer auf sie wirken zu können, ja er machte den so innegehaltenen Lebenswandel zu einem gewissen nöthigenden System, und so gab er nicht blos keinen Anstoß, sondern erwarb wirklich ihr Vertrauen. Seine Jugendbildung und die Beschäftigung mit den Schätzen der alten ererbten Literatur, die er nicht unterbrach, erwarb ihm die Achtung der gelehrten Thalmudisten und bot ihm selbst Anknüpfungspunkte mit ihnen. Diese allerdings lockere, aber trauliche Verbindung mit Männern so ganz abweichender Richtung bleibt bewundernswerth, da M. dabei niemals seiner Ueber-