Jüdische Zeitschrift für Wissenschaft und Leben
- Journal
- Jüdische Zeitschrift für Wissenschaft und Leben
- Volume
- 7 (1869)
- Issue
- 3 (1869)
- Date
- 1869-01-01
- Page
- Seite 218 (sequence 58)
- Language
- German
- Belongs to
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218 Umschau. Umlauf gebracht wurden. Auf ihnen beruht unsere moderne Bildüng, wie denn der Spruch: Du sollst lieben Deinen Nächsten wie Dich selbst, das angeblich christliche Schiboleth V.'s, das sich so wenig in der Geschichte der Kirche bewährt hat, ein jüdisch-biblischer ist. Die Welt wird aber solange nicht zur vollen Gesundheit gelangen, solange man noch die Geschichte der Menschheit, die geistigen Triebkräfte der Gegenwart mit solch befangenem Blicke betrachtet. Das kühnste Wort, das die Versammlung ertragen konnte, war diese Virchow'sche Halbheit, die sie, d. h. der freisinnigere Theil, mehrfach mit ihrem ״sehr richtig!" begleitete. Ob auch die jüdischen Volksvertreter in diese Anerkennung eingestimmt haben V Ich weiß es nicht. Jedenfalls hatten sie kein Wort der Abwehr gegen die Verschollenheitserklärung ihres Glaubens zu Gunsten einer die Mutter bei lebendigem Leibe und Geiste sorglos verdrängenden Erbtochter. Lasker hatte einige Worte matter Abwehr gegen die pöbelhafte Beschimpfung eines Wantrup gefunden; ich verarge ihm nicht, daß er W. nicht in den Schmutz gefolgt ist, in dem er sich so behaglich fühlt, wenn ich auch die Abfertigung, falls sie beliebt wurde, kräftiger gewünscht hätte. Gegen die schneidendere und gefährlichere, weil anständigere und der Selbstgefälligkeit anmaßlicher christlicher Bildung schmeichelnde Vernichtung des Judenthums von Seiten V.'s erhob sich kein Wort der Abwehr. Freilich mochte ihm der Erfolg von 1868 Jahren imponiren und Schweigen auferlegen. Ko sch versäumt es sonst nie die gerechten Beschwerden der Juden zu wiederholen und das Haus zu deren Abstellung aufzufordern; aber hier blieb auch dieser wackere Kämpfer still. Jakobi grollt und läßt sich selten vernehmen. Solange aber die Volksvertreter jüdischen Glaubens sich nicht aufzuraffen wiffen, solange sie nicht ihre eigene Stellung und damit das Wohl der Gesammtheit, aller, nicht blos der jüdischen Volksglieder wahren, solange sie Vorurtheile unbekämpft lassen, die Andere nicht zu berühren wagen, weil dieselben der herrschenden Religion eingeboren sind und sie sich selbst noch nicht davon befreit haben, also: solange nicht die Juden ihr Recht an der gegenwärtigen Mitgestaltung der geistigen Zustände voll geltend machen, solange werden diese auch die krankhafte Bläffe, die ihnen vom Mittelalter eingeimpft ist, nicht ablegen. 22. Dec.