Jüdische Zeitschrift für Wissenschaft und Leben
- Journal
- Jüdische Zeitschrift für Wissenschaft und Leben
- Volume
- 7 (1869)
- Issue
- 3 (1869)
- Date
- 1869-01-01
- Page
- Seite 209 (sequence 49)
- Language
- German
- Belongs to
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Colonisation Palästina'». 209 die Zeitgenossen in der Hitze des Kampfes gesprochen, überrascht uns nicht; was ein Nachgeborener, der als ein ruhiger Geschichtschreiber aufzutreten berufen ist und als Aufgabe übernimmt, herauspoltert, sich ganz in die erloschene Heftigkeit hineinstürzend und sie neu anfachend, das macht einen widerwärtigen Eindruck. Oder ist es nicht häßlich, wenn noch nach achtzig Jahren die Klage wiederholt wird, Jacobi habe zu großes Vertrauen auf das redliche Gemüth seines Gegners gesetzt (S. XVII), während dieser Pfiffig ihn nur zur Erreichung seiner eignen Zwecke mißbrauchen wollte (XIX f), mit Winkelzügen und Willkürlichkeiten verfuhr (XXI), schlaue Kunstgriffe, womit der Pfiffige Hebräer den ehrlichen Christen zu umgarnen suchte (XXV)? Und was M. selbst nicht that, das geschah, nach G., nach seinem Tode von der Rotte seiner Freunde (oder: seiner Spießgesellen S. XXIX), der Juden und Judengenossen, die ein förmliches Wuthgeschrei gegen Jacobi erhoben (XXVI). Diesen unwürdigen Ton soll sich die unparteiische Geschichte erlauben dürfen? Sind wir so tief gesunken in diesen achtzig Jahren? 12. Nov. 2. Die Colonisation Palästina's und die Juden. Indem die Augsburger Allgemeine Zeitung in der Beilage vom 20. d. (X. 325 S. 4939) die Versuche einer Colonisation Palästina's durch Deutsche als verunglückt und auch für die Zukunft unfruchtbar darstellt, theils weil das heiße Klima eine solche dem Nordländer nicht gestattet und die Ansiedler erst umgestalten, aber auch ermatten müßte, theils auch weil die gegenwärtigen staatlichen Verhältnisse unüberwindliche Schwierigkeiten in den Weg legen, sagt sie in einer Anmerkung: ״Warum thun denn aber die Juden selbst so gar Nichts um, wozu heutzutage gewiß Gelegenheit wäre, ihr altes Vaterland, wenigstens für einen Theil ihres Stammes, wieder zu gewinnen? Sie beten allwöchentlich in der Synagoge um ihre Rückführung dahin, vergeffen aber dabei das ״Hilf dir selbst und Gott wird helfen." An Geld fehlt es ihnen wahrlich nicht und auch nicht an diplomatischen Verbindungen. Freilich müßte man dann im Schweiße des Angesichts arbeiten." Der Berichterstatter kennt also jene, freilich gleichfalls fruchtlosen, Bemühungen nicht, welche von Seiten schwärmerischer Juden gemacht worden und werden, ihre dort weilenden Glaubensbrüder zum Ackerbaue anzuleiten, Landbesitz zu gewinnen und Colonieen zu gründen. Bierteljahresschrift VII. 3. 14