Jüdische Zeitschrift für Wissenschaft und Leben
- Journal
- Jüdische Zeitschrift für Wissenschaft und Leben
- Volume
- 7 (1869)
- Issue
- 3 (1869)
- Date
- 1869-01-01
- Page
- Seite 208 (sequence 48)
- Language
- German
- Belongs to
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208 Umschau. ewigten Mendelssohn gesetzt, damit man Mansche! oder Magister lesen kann!" Und dennoch sagt er bei der Nachricht vom Tode M.'s, sie habe ihn ״sehr gerührt und seine alte Freundschaft, die Wohl noch nicht Schiffbruch gelitten, von neuem aufgeweckt" (S. 189, vgl. S. 192). — Und stimmt nicht jener große Verehrer M.'s, Herder, in denselben Ton ein- ״Er ist zu alt, sagt er, und ein zu elastischer Philosoph der deutschen Nation und Sprache, als daß er sich bekehren ließe, und ein zu Pfiffiger Ebräer, als daß ein ehrlicher Christ mit ihm auskäme ... Es ist sonderbar, daß in dem alten Mann der versteckte Haß gegen die Christen von Tag zu Tag mehr hervorzutreten scheint; denn allenthalben bringt er . . . die Christen als geborene oder wiedergeborene Schwärmer ins Spiel, und mit dieser geheimen bittersten Intoleranz ist alles Disputiren am Ende" (das. S. 195). Hat ja auch Göthe, freilich als Dichter des Prometheus und Freund Jacobi's, auch in einem Briefe an diesen dahin sich ausgesprochen: ״Was hast du zu den Morgenstunden gesagt- und zu den jüdischen Pfiffen, mit denen der neue Sokrates zu Werke geht? Wie klug er Spinoza und Lessing angeführt hat! O du armer Christe, wie schlimm wird Dir es ergehn!" (das. S. 172 Anm. 3). Das war freilich nicht das allgemeine Urtheil, es war das der Glaubensliebhaber, jener schwebelnden Geister, die die Klarheit flohen, um am Halbdunkel sich zu erfreuen, sowie der fortschreitenden Denker, welche dem gangbaren Systeme sich entwunden und allerdings sich Spinoza immer mehr näherten. M.'s Zeit war um, und er starb rechtzeitig. Seine Stellung zur fortschreitenden Philosophie, zum reagirenden Christenthum, zum unbefriedigten Judenthum wäre eine höchst schwierige geworden, und er hätte sich nicht mehr zu behaupten, jedenfalls nicht auf der eingenommenen Höhe zu erhalten gewußt. Ueber sein Grab, das in Ehren gehalten wurde, stürzten nun die Wogen der neuen Zeit, und die unversöhnlichen Gegensätze der Philosophie und des Christenthums traten noch weiter auseinander, aber jedes behauptete sein Recht, die Versöhnungsversuche befestigten das Bestehende noch mehr, und der heiße Kampf ist noch heute nicht zur Ruhe gebracht. In diesen Sturm hinein konnte seitdem kein Jude ein besänftigend Wort sprechen; man hätte ihn als einen Eindringling schnöde abgewiesen. Wie wenig nämlich der Eifer abgekühlt, beweist eben der nun durch Gildemeister herausgegebene Briefwechsel Hamann's. Was