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Jüdische Zeitschrift für Wissenschaft und Leben · 1869-01-01 · 3 (1869) · p. Seite 207

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Journal
Jüdische Zeitschrift für Wissenschaft und Leben
Volume
7 (1869)
Issue
3 (1869)
Date
1869-01-01
Page
Seite 207 (sequence 47)
Language
German
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1. Mendelssohn und Jakobi. 207 Vor dem Christenthum, vor dem in demselben ausgeprägten Glauben, der die Vernunft gefangen nehmen soll, war nicht blos eine philosophische, sie war an den bittern geschichtlichen Erfahrungen der Juden, an der socialen Ungerechtigkeit, welche immer weiter gegen sie geübt wurde ohne Aussicht auf Besserung, genährt. Mit dem ängstlichsten Mißtrauen blickte er daher auf die Männer, welche mit philosophischem Skepticismus und angeblich in Veranlassung desselben die Befestigung des nicht auf Vernunft gestützten — christlichen — Glaubens anstrebten. Er erkannte nicht blos, er empfand es auch instinctiv, daß jener dunkle, in sich verworrene ״Magus des Nordens" durch seine Geistessprünge, durch seine Mystik höchst verführerisch sei, und seine Scheu vor ihm war ebenso gerechtfertigt wie dessen Ingrimm gegen ihn. Dieser ging so weit, daß er Mendelssohn geradezu eines atheistischen Fanatismus bezüchtigte (Briefwechsel S. 13. 20), ihn zum Sophisten, Lügner, Heuchler und etwas ärgerem macht (das. S. 212. 220), er spottet seiner, weil er geglaubt habe, alle Freunde Lessing's würden ״seinen jüdischen Theismum oder philosophischen Pantheismum (!) dem christlichen Anthropotheismo vorziehen"(das. S. 213). Das ist klar und bestimmt: Anthropotheismus, Menschenvergötterung! Natürlich mußte nun M. in große Beängstigung versetzt werden, als Jacobi das große Geheimniß verkündete, Lessing sei Spinozist gewesen, wie denn jede auf sich beruhende philosophische Forschung lediglich zu diesem Ausgange führe, wenn man nicht, was er, Jacobi, nun unternahm, den salto mortale machte und sich kopfüber in den Glauben stürzte. M. sah die Arbeit seines ganzen Lebens bedroht, das Schreckbild des Pantheismus an den Ausgang der Philosophie gestellt, diese Behauptung durch die AutoritätLessing's bekräftigt und als Resultat — Vernunftlosen Glauben! Persönliche Tactlosigkeiten kamen noch von Seiten Jaeobi's hinzu, wie sie in der geringschätzigen Miene, mit der auf den glaubensleeren Juden herabgeblickt wurde, nicht fehlen konnten und M. noch mehr reizen mußten. Diese Verachtung gegen den Juden liest man in den brieflichen vertraulichen Aeußerungen, wie sie Hamann ausstößt. ״Daß Sie Wahrheit bei einem Juden, einem natürlichen Feinde derselben, gesucht und vorausgesetzt haben! ״Ein Jude — ein Sophist und point d’honneur und Delicatesse! (Briefwechsel S. 250). Und wie fein ist die Aeußerung an einer andern Stelle (das S. 237): ״Ich habe ein bloßes M. vor den Namen des ver-

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