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Jüdische Zeitschrift für Wissenschaft und Leben · 1869-01-01 · 3 (1869) · p. Seite 205

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Journal
Jüdische Zeitschrift für Wissenschaft und Leben
Volume
7 (1869)
Issue
3 (1869)
Date
1869-01-01
Page
Seite 205 (sequence 45)
Language
German
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1. Mendelssohn und Jakobi. 205 gesehen als seine christlichen Freunde; er traute den Umgestaltungsversuchen nicht, nicht den Versicherungen einer weitherzigen Toleranz, in der er blos die Absicht sah, mit scheinbarer Milde herüberzulocken und dann — die Maschen zuzuziehen, die Glaubensfessel zu schließen. Das ward ihm besonders klar, als sein kurzer Streit mit Lavater entbrannte. ״Sieht man bloß, sagt er in einem Briefe aus jener Zeit, auf das, was öffentlich gesagt, geschrieben und gedacht wird, so möchte man — in trüben Stunden — über den langsamen Fortgang der Vernunft und die noch immer fortwährende Verschiedenheit der Urtheile und Meinungen derjenigen Menschen, welche für die Vernünftigen gehalten werden, beinahe ungeduldig werden und alle Hoffnung aufgeben" (Werke V S. 501). Am Deutlichsten spricht er sich darüber in Briefen an Herz Homberg aus. Seine Behauptung im ״Jerusalem," daß der Jude verpflichtet bleibe, an allen bestehenden Satzungen seiner Religion festzuhalten, hatte ein ziemlich allgemeines Befremden erweckt. Nicht blos die Christen waren überrascht über dieses prononcirte Judenthum — ein Leipziger Professor, theilt er selbst uns mit (das. S. 676), hatte gesagt: Mendelssohn ist in dem ersten Abschnitte ein Sophist und in dem zweiten Stockjude —, sondern auch seine aufgeklärten jüdischen Schüler, und gerade sie, waren betroffen und fühlten sich durch diesen Ausspruch ungemein beengt. Zu diesen gehörte auch Herz Homberg. Hören wir, wie M. ihm in einem Schreiben vom 22. Sept. 1783 entgegentritt (das. S. 669): ״Ueber die Nothwendigkeit der Ritualgesetze sind wir nicht einerlei Meinung. Wenn auch ihre Bedeutung als Schriftart oder Zeichensprache ihren Nutzen verloren hätte, so hört doch ihre Nothwendigkeit als Band der Vereinigung nicht auf; und diese Vereinigung selbst wird in dem Plane der Vorsehung nach meiner Meinung so lange erhalten werden müssen, so lange noch Polytheismus, Anthropomorphismus und religiöse Usurpation den Erdball beherrschen. So lange diese Plagegeister der Vernunft vereinigt sind, müssen auch die ächten Theisten eine Art von Verbindung unter sich stattfinden lassen, wenn jene nicht alles unter den Fuß bringen sollen. Und worin soll diese Verbindung bestehen? In Grundsätzen und Meinungen? Da haben wir Glaubensartikel, Symbole, Formeln, die Vernunft in Fesseln. Also Handlungen, und zwar bedeutende Handlungen — d. t. Ceremonien . . . Alle unsere Halsstarrigkeit aber sollten wir dem jesuitischen Kunstgriffe entgegensetzen, mit welchem man uns mit allem Anschein der Freund-

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