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Jüdische Zeitschrift für Wissenschaft und Leben · 1869-01-01 · 3 (1869) · p. Seite 204

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Journal
Jüdische Zeitschrift für Wissenschaft und Leben
Volume
7 (1869)
Issue
3 (1869)
Date
1869-01-01
Page
Seite 204 (sequence 44)
Language
German
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204 Umschau. den Menschen, nicht der Jude an den Superintendenten . . . (Aus Herder's Nachlaß a. a. O. S. 224). Wie sehr er auch unter freundlichen Worten die lauernde Gehässigkeit erkannte, zeigt die Art, wie er von vorn herein sein Verhältniß zu Johann Georg Hamann feststellt. Dieser hatte ihm unter dem 11. Febr. 1762 geschrieben. Darin heißt es: ״Ich habe Sie, geschätzter Freund! bei der ersten Stunde unserer zufälligen Bekanntschaft geliebt, mit einem entscheidenden Geschmacke. Die Erneuerung dieser flüchtigen verloschenen Züge setze ich bis zu einer bequemeren Epoche aus" (M. M.'s Werke V S. 429), und er schließt in demselben freundschaftliHen Tone: ״Soviel halte ich für nöthig, geschätzter Freund, Ihnen NB. snb rosa mitzutheilen. Da Sie leider wissen, daß ich nicht Mardachai heiße, so kann die alte Adresse auf allen Fall bleiben. NS. Es versteht sich am Rande, daß diese Erklärung Sie nnd einen Freund, aber kein Publikum interessirt. Sie würden mich unterdessen verbinden, mir auf gleiche Art zu verstehen zu geben, ob und wie Sie Ihren Freund verstanden" (das. S. 430). Und Mendelssohn? läßt er sich von diesen glatten, so ehrlich klingenden Worten verleiten? Seiner Antwort vom 2. März setzt er als Motto die Worte Molieres vor: Hoi votre ami? Rayez cela de vos papiers! Und diesem Denkspruche, einem unumwundenen Absagebriefe der Freundschaft, entspricht auch alsbald der Anfang der Antwort: ״Unser öffentlicher sowohl als Privatcharakter zeigt angeborene Gramschaft. Schriftsteller und Kunstrichter, Abälard und Fulbert, Haman und Mardachai . . . Die güldenen Tage sind meines Glaubens noch nicht da, von welchen es heißt: ms וגר זאב עם ״. . . ונמר עם גדי (das.). Wir haben eine solche schroffe Sprache kaum von M. erwartet, aber wir freuen uns seiner Freimütigkeit, wir bewundern seine Menschenkenntniß, die ihn erkennen ließ, daß in diesem Hamann doch wirklich ein Haman stecke. Und ist es nicht ein solcher, der am 10. Mai 88 an Jacobi schreiben konnte: ״Was geht uns die bürgerliche Verstoßung der Juden und der Neger an? Ihre Stunde ist noch nicht gekommen" (Briefwechsel S. 645), und sein ganzes späteres Benehmen ist durch dieselbe pfäffische Frömmelei und gallsüchtige Schmähsucht wahrhaft widerwärtig. Auch in Hinsicht auf den raschen Sieg der Vernunftreligion gegenüber dem Zwange der Glaubensvorschriften hat er weit klarer

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