Jüdische Zeitschrift für Wissenschaft und Leben
- Journal
- Jüdische Zeitschrift für Wissenschaft und Leben
- Volume
- 7 (1869)
- Issue
- 3 (1869)
- Date
- 1869-01-01
- Page
- Seite 203 (sequence 43)
- Language
- German
- Belongs to
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1. Mendelssohn und Jakobi. 203 entfernter gegen mich gemacht als ich's wünsche. Der unglückliche Zeitpunkt, in dem wir uns zu Pyrmont einander sahen und so wenig genossen, mit dem was durch Nicolai darauf folgte, hat dazu beigetragen ... Ich begehre nicht Ihre Freundschaft, die sich nicht antragen läßt . . ., aber Ihre Gutmüthigkeit, Ihr Wohlwollen . . . dies erbitte ich mir, da ich Sie so innig und aufrichtig hochschätze und liebe, auch mit jedem Jahr des Lebens lieber gewinne." Er spricht dann ferner über den ״weisen, unbestochenen, gütigen Mendelssohn", über sein eigenes Verhältniß zu Nicolai und bittet: ״Sie aber, lieber Mendelssohn, möchte ich gern davon abgetrennt betrachten, und sofern es sein kann, den Meinen nennen. Freilich stehn Sie ungemein freier und reiner als ich in meinem Stande, wo ich so viel tragen, schonen muß ... Ich weiß, l. M., Sie nehmen diesen Brief so gut und menschlich auf, wie ich ihn schreibe . . . Leben Sie Wohl, liebster Mendelssohn, und sparen sich, soviel an Ihnen ist, unserer Erde. Da Lessing hin ist, hat Deutschland Sie, wenn Sie auch nur stillwirkender Zeuge sind, vor so vielen andern nöthig" (Aus Herders Nachlaß, Bd. II. Frankfurt a. M. 1857 S. 220 ff). In seiner Antwort vom 15. März auf diesen Brief, der wahrlich nicht wenig schmeichelhaft ist, sagt M.: ״Unsere Begegnung zu P. mag Wohl an der darauf erfolgten Entfernung so ziemlich schuld sein. Offenherzigkeit verdient Gegenoffenherzigkeit. Ich werde Ihnen gestehen, was damals in meinem. Herzen vorgegangen, als ich Sie einige Male sah und sprach. Ich glaubte in allen Ihren Blicken die Bitte zu lesen: ״Lieber Mann, ich habe jetzt einen Weg zu gehen, auf dem ich mir Ihre Begleitung verbitten muß. Je näher in Lehre, desto entfernter im Leben. Sie kennen die Menschen, auf die ich jetzt wirken muß, wenn ich meinen Endzweck erreichet will. Unsere Stege müssen divergiren, wenn wir beide zur Herberge kommen wollen." Diese Sprache hat mir so mancher rechtschaffene Mann in Ihrer Lage zu verstehen gegeben, daß sie mich an Ihnen nicht mehr befremdete u. s. w. Daß er dann umsomehr H.'s Entgegenkommen zu würdigen weiß, ist natürlich (Moses Mendelssohns gesammelte Schriften. Bd. V Leipzig 1844. S. 585). Und wie fein klingt Dies noch im folgenden Briefe vom 18. Mai nach: ״Ich setze als ausgemacht zum voraus, theuerster Herder, daß der vertrauliche Ton, den ich in meinem vorigen Schreiben angenommen und in diesem noch immer beibehalte, Sie unmöglich beleidigen könne. Moses, der Mensch, schreibt an Herder,