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Jüdische Zeitschrift für Wissenschaft und Leben · 1869-01-01 · 3 (1869) · p. Seite 202

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Journal
Jüdische Zeitschrift für Wissenschaft und Leben
Volume
7 (1869)
Issue
3 (1869)
Date
1869-01-01
Page
Seite 202 (sequence 42)
Language
German
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202 Umschau. Schilderung von dem Hasse und der Verachtung der Berliner Philosophen gegen das Christenthum gemacht. Er hat z. B. den . . . sagen hören, man dürfe jetzt nur nicht mehr Nachlassen, und in 20 Jahren werde der Name Jesu im religiösen Sinne nicht mehr genannt werden^ (S. 378). Einer solchen Zeit und Richtung mußte ein Jude sehr willkommen sein, der, ohne von christlichen Voraussetzungen auszugehen, ja ihnen entschieden widerstrebend, sich mit aller Innigkeit zur Vernunstreligion bekannte und dieselbe philosophisch bewies. Das Staunen, welches religiös zwar unbefangene, aber doch noch von dem socialen Vorurtheile gegen Juden umstrickte Männer bei dem Anblicke eines so hochgebildeten Juden, eines so feinen klaren Kopfes, eines so gewandten und anziehenden Schriftstellers ergriff, erhöhte ihm Ruf und Bedeutung, und was ihm nach einer Seite hin hätte schaden können, das war ihm auf der andern von unberechenbarem Vortheile. Daß ihm seine Stellung als Jude in gewissen Regionen zum Vorwurfe gereichte, entging dem klaren Geiste Mendelssohns weniger noch als seinen Freunden; unter all der prunkenden und weithin tönenden Anerkennung, bei dem traulichen Verkehre mit wirklich unbefangenen Freunden, unter denen vor Allen Lessing hervorragte, blieb ihm das Gefühl, daß gar Mancher nur augenblicklich Herablassung übte, Andere immer die Gelegenheit erlauerten, den stillen Groll Hervorbrechen zu lassen. Der Besorgniß, wie man doch den Juden in ihm scheue, giebt er in seiner liebenswürdigen Offenheit in einem Briefe an Herder vom 15. März 1781 Ausdruck. Dieser, so oft einer augenblicklichen Stimmung folgend, war vom Tode Lessing's tief ergriffen, und mit aller Innigkeit, die ihn unwiderstehlich machte, die aber nur zu leicht bei ihm von grämlichem Mißtrauen verschüttet wurde, wendet er sich an Mendelssohn, mit dem er schon früher in inniger Verbindung gestanden, als an den überlebenden Freund L.'s. Unter dem 21. Febr. 1781 schreibt er ihm: ״Ich kann nicht umhin, da ich . . . gegen niemand mein Herz darüber recht ausschütten und los wachen kann, an Sie, liebster Mendelssohn, zu schreiben, — an Sie, dessen Freund er so sehr war und den ich wir in meinen ersten Jahren so gerne und oft mit ihm zusammendachte. Lassen Sie sich, lieber Mendelssohn, erbitten, gewissermaßen seinen Platz in mir auszufüllen und mir etwas näher zu sein, als Sie's sind. Eine Reihe von Zufällen und Umständen, an denen ich zum Theil, doch nicht ganz Schuld bin, hat Sie . . .

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