Jüdische Zeitschrift für Wissenschaft und Leben
- Journal
- Jüdische Zeitschrift für Wissenschaft und Leben
- Volume
- 7 (1869)
- Issue
- 3 (1869)
- Date
- 1869-01-01
- Page
- Seite 197 (sequence 37)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 96% known words query
- IRI
…/2420973-2421005-2421008--2139-2423476- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
OCR text
Ewald: Geschichte. 197 Reformation hervorgerufen. Das letzte Jahrhundert namentlich, das allmälig die Hindernisfe wegräumt, welche dem Judenthume seine lebenskräftige Entfaltung unmöglich machten, zeigt zur Ueberraschung Aller und zum Verdrusse Vieler, wie sie rasch und tiefeingreifend Einfluß auf die ganze Zeitentwicklung gewonnen. Dafür ist jedoch Hrn. E. der Blick gänzlich verschlossen. Wir könnten es uns nun ganz Wohl gefallen lassen, wenn sein Buch keinen Raum für die spätere Zeit hat und keinen Ausblick auf dieselbe eröffnet, wenn er nur die Klarheit besäße, in das innere Weben der von ihm behandelten Zeit hineinzuschauen und einzuführen. Allein dazu gerade fehlt es ihm bei aller reichen und vielseitigen Gelehrsamkeit an geschichtlichem Sinn, an Unbefangenheit und an Verständniß derjenigen Quellen, auf welche es hier hauptsächlich ankommt. So wird namentlich in diesem Bande gar mancherlei über Thalmud und alte Lehrer geredet, und in hochmüthiger Ueber- Hebung das Urtheil ausgesprochen: ״In den neuesten Zeiten fangen nun zwar auch jüdische Gelehrte an, ihn (den Thalmud) nicht bloß auswendig zu lernen: allein wenn sie wirklich wissenschaftlich ihn erkennen und benutzen wollen, so müssen sie zuvor alle die Vorurtheike ablegen, welche auch denen von ihnen noch so schwer ankleben, die sich gerne am Meisten ihrer Thätigkeit rühmen. Bis jetzt haben sie weder den Geist des Thalmuds noch auch nur die Art seiner Entstehung und Zusammensetzung richtig begriffen." (S. 49 Anm.) Indessen aber vermag E. im buchstäblichsten Sinne den Thalmud nicht zu lesen, keinen Satz in ihm richtig zu verstehen und zu übersetzen, und sind seine Angaben, die sich auf denselben zu stützen vorgeben, fast sämmtlich unrichtig. Es ist wahrhaft betrübend, immerfort die gröblichsten Schnitzer sich wiederholen zu sehen und dabei zu bedenken, daß dieses Buch Andern zur Quelle dient. Hrn. E. ist schon nachgewiesen worden, daß er die Erzählung über Kamza und Bar-Kamza fälschlich dem Jochanan ben Sakkai beilegt, während sie dem um zwei Jahrhunderte spätern Jochanan angehört (diese Ztschr. Bd. VI S. 225); er nimmt denselben Irrthum dennoch hier wieder auf (S. 45 Anm. 2). Dessen Spruch: Wenn Du viel Thora gelernt, אל תחזיק מרבה לעצנלך, übersetzt er: ״so halte nichts Gutes (davon) für dich selbst" (S. 46), während es heißt: so darfst du Dir Nichts darauf zu Gute thun. Bedeutung und Entstehung des Ausdruckes מין, wie sie bereits mehr-