Mannheim
Compact Memory

Jüdische Zeitschrift für Wissenschaft und Leben · 1869-01-01 · 3 (1869) · p. Seite 196

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Jüdische Zeitschrift für Wissenschaft und Leben
Volume
7 (1869)
Issue
3 (1869)
Date
1869-01-01
Page
Seite 196 (sequence 36)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
97% known words query
IRI
…/2420973-2421005-2421008--2138-2423475
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

No entity mentions on this page.

OCR text

196 Recensionen. such, sie wieder herzustellen, gescheitert ist. So äußerlich faßt nun Ewald die Stellung Israels in der Weltgeschichte freilich nicht, dessen Mission erkennt er vielmehr wesentlich als eine religiöse, als eine Heilssendung, als bestimmt zur Begründung des Gottesreiches auf Erden. Dieser Beruf hört jedoch für ihn auf mit dem Auftreten Jesu, mit der Entstehung des Christenthums, dem dann Erfüllung und Fortführung dieser Aufgabe zufällt. Wenn er dennoch noch etwa ein Jahrhundert die Geschichte Israels fortführt, so ist die Veranlassung dazu nicht blos die mächtig nachzuckende Bewegung, welche in dem Kämpfen um Erhaltung und Wiedererringung volksthümlicher Selbstständigkeit sich zeigt, sondern auch der Umstand daß die Entscheidung über die neue christliche Richtung, ihre Dauerhaftigkeit, ihre völlige Ablösung von dem Judenthume sich erst mit dem Ablaufe dieses Jahrhunderts vollzieht, während innerhalb desselben sein Bestand noch sehr unsicher ist, sein Verhältniß zum Judenthume sich erst allmälig lockert und die eigenthümliche innere Ausgestaltung unter mannichfachen Unklarheiten und Schwankungen vor sich geht. Sobald die Trennung entschieden vollzogen, Selbstständigkeit und Dauerhaftigkeit für das Christenthum verbürgt ist, schließt, nach E., die Weltgeschichte das Judenthum nun ein für alle Mal aus ihrem umfassenden Wirken aus; es bleibt nur noch eine Trümmer, die allmälig sich mehr und mehr zerbröckelt, ein Leichnam, der Wohl galvanisirt in Zuckungen geräth, jedoch ohne inneres Leben und noch umsoweniger fähig Leben zu spenden. Die Weltgeschichte hat ihr Urtheil freilich ganz anders abgegeben und fährt auch heute fort dieses Urtheil in abweichendem Sinne zu vollziehen. Das Judenthum trug und trägt die volle Lebenskraft in sich, um allen Verfolgungen und Schmähungen siegreich zu widerstehen, seinen Bekennern eine unverwüstliche Frische, die regste geistige und sittliche Empfänglichkeit und Thätigkeit zu verleihen. Aber die Juden haben auch, abgesehen von den reichen Spenden, welche sie ununterbrochen dem Christenthume zugeführt, eine neue weltgeschichtliche Religion, den Islam, wiederum großgezogen und sich bei der Pflege der Wissenschaft, welche im Mittelalter lediglich in Händen der Araber gewesen, aufs Erfolgreichste betheiligt. Sie haben durch ihre Arbeiten über die Bibel und durch persönlichen Unterricht den Christen erst wieder die Möglichkeit verschafft, eine fruchtbare Kenntniß derselben sich anzueignen und haben so mit die neue Culturbewegung in dem Humanismus und der

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.