Jüdische Zeitschrift für Wissenschaft und Leben
- Journal
- Jüdische Zeitschrift für Wissenschaft und Leben
- Volume
- 7 (1869)
- Issue
- 3 (1869)
- Date
- 1869-01-01
- Page
- Seite 180 (sequence 20)
- Language
- German
- Belongs to
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180 II. Wissenschaftliche Miscellen. ״Midbar Jehudah" an dessen Bruder Mose Coppio ehrend gedenkt. So nennt ihn auch Sara selbst, indem sie ihr ״Manifest" ihm — d. h. seinem unsterblichen Geiste, da er damals bereits gestorben war — widmet. Sie schreibt dort den Familiennamen ״Copia" anstatt Coppio; diese Umwandlung hat ihre eigenthümliche Geschichte. Sara hatte sich nämlich in ihren Briefen ״per fantasia‘% wie Hr. Soave sagt, Coppia, ein a am Ende unterzeichnet. Der bekehrungssüchtige Ceba machte nun die glückliche Entdeckung, ihr Name sei von sehr günstiger Vorbedeutung, indem er die Hoffnung erwecke, ein Paar (una coppia) aus einem Christen mit einer Christin zu machen. Sara war nun grausam genug, ihm sein kindisch Wortspiel zu verderben und Unterzeichnete sich von nun an Copia mit blos einem p, und in gleicher Weise schrieb sie nun auch den Namen ihres Vaters, obgleich er eigentlich Coppio hieß. Jedenfalls eignet ihm der Name Sullam gar nicht. Sara war nicht ״das einzige Kind" ihres Vaters. Wie es scheint, hatte sie zwar keine Brüder, aber wohl eine jüngere Schwester, Namens Diana, die später an einen Mefferan in Mantua verheirathet wurde, und welche Leon Modena, wie er in seiner Selbstbiographie berichtet, im Mai 1623 begleitet hatte. Als Sara den ersten Brief an Ceba schrieb, Mai 1618, war sie bereits verheirathet, denn im August deffelben Jahres theilt sie ihm mit, daß sie durch eine Frühgebürt dem Tode nahe gewesen. Es kann also bei ihr nicht von den ״Huldigungen einer reinen Mädchenseele" die Rede sein. Sie trat vielmehr gerade mit dem sichern Bewußtsein und der Würde der berheiratheten Frau, im vollen Gefühle der Angehörigkeit an ihren Mann und der Treue gegen ihn an den alten fernen Dichter hinan, dem sie blos geistige Verehrung weiht und dem sie auch bald durch Nachrichten aus ihrem ehelichen Leben den rechten Standpunkt anwies. Sicher wußte ihr Mann von diesem brieflichen Verkehre, betheiligte sich vielleicht gar hie und da daran; jedenfalls lesen wir einen Brief Ceba's vom 7. November 1620 an Jakob Sullam selbst, worin er auch diesen mit seiner zudringlichen Bekehrungssucht verfolgt. Sara hatte durch Geist und Anmuth in ihrem Hause jüdische wie christliche Gelehrte und Schöngeister um sich versammelt; sie genoß allseitige Verehrung und Niemand wagte ebenso wenig wie gegen ihre Tugend einen Zweifel gegen die Lauterkeit ihrer Gesinnung zu hegen und zu äußern. Es ist durchaus ersonnen, daß