Jüdische Zeitschrift für Wissenschaft und Leben
- Journal
- Jüdische Zeitschrift für Wissenschaft und Leben
- Volume
- 7 (1869)
- Issue
- 3 (1869)
- Date
- 1869-01-01
- Page
- Seite 179 (sequence 19)
- Language
- German
- Belongs to
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II. Wissenschaftliche Miscellen. 179 Umstand, daß ein christlicher Geistlicher eine Heldin aus dem jüdischen Volke verherrlicht, ihr von Liebe für das Judenthum und von glühender Sehnsucht nach dessen Erhebung erfülltes Herz so tief ergriffen. Genug, eine anziehende Gestalt tritt uns in Sara entgegen, und es war ein verdienstliches Werk des Hrn. Prof. Di׳. Levy, sie aus dem dunkeln Kerker des Nio'schen Buches zu befreien und sie in das jüdische Bewußtsein einzuführen. Nach den ziemlich reichlichen Quellen, welche Rio darbietet, entwarf L. ein Lebensbild von Sara, welches 1863 in dem ״Jahrbuch für die Geschichte der Juden und des Iudenthums" (S. 65—93) erschien, und er wußte sich bei aller Wärme, mit der er seine Heldin zeichnete, die nüchterne Besonnenheit zu bewahren, die vor Phantasievollen Ausschmückungen und willkürlichen Zuthaten schützt. Leider können wir nicht dasselbe von dem Manne sagen, der, Levy's Spuren folgend, die Dichterin in den größeren Zusammen- Hang der Geschichte einführt. Hr. Dr. Grätz fügt nämlich in dem 10. Bande seiner Geschichte (1868) auf den etwas mehr als zwei Seiten (146 ff), welche er derselben widmet, aus Combinationen Dinge hinzu, die der Wahrheit widersprechen. Dies ergiebt sich aufs Unzweideutigste aus einem Aufsatze, den durch Levy's Abhandlung angeregt, kurz nachher (Oktober 1863) Herr M. Soave in Venedig über denselben Gegenstand niedergeschrieben, und der mir in einem Sonderabdrucke (14 Seiten) vorliegt. Herr Soave brauchte nicht aus Rio zu schöpfen, ihm lag der Briefwechsel zwischen Ceba und Sara oder vielmehr die Briefe jenes an diese gedruckt vor; die der letzteren sind nämlich, Wohl aus Vorsicht, nicht veröffentlicht worden (Soave S. 7.) und deren Inhalt muß blos aus den Ant- Worten erschlossen werden. Ebenso las er das ״Manifest" der Sara, das sie ihrem Ankläger Balthasar Bonifaccio als Vertheidigung entgegenschleuderte. Aus ihnen und seiner sonstigen Vertrautheit mit der italiänischen Literatur im Allgemeinen und der italiänisch-jüdischen insbesondere ergänzt Hr. S. so Manches, was Rio und die ihm folgten ausgelassen hatten, wodurch das Bild der Sara vervollständigt wird. Sara Copia hatte als ״Mädchen" noch nicht Sullam geheißen, vielmehr war dies der Familienname ihres Mannes, Jakob Sullam, und trug sie ihn daher erst nach ihrer Verheirathung als Frau. Ihr Vater hieß nicht ״Simon Sullam", sondern Simon Coppio, dessen Leon Modena in der Widmung seines Werkes 12*